Dienstag, 14. Februar 2012, 20:35

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Kino

Liebes-Chaos unterm Eiffelturm

"Eine Affäre in Paris" hätte eine bessere Komödie werden können. Aber Regisseur James Ivory erliegt seinen eigenen Klischeevorstellungen

Ein Vergleich zwischen Franzosen und Amerikanern muss unweigerlich in ausgelutschte Klischees münden. Die einen mögen guten Käse, haben viel Stil und lieben exzessiv und leidenschaftlich. Die anderen schätzen pappige Weißbrötchen, fiese Jogginghosen, lieben beständig - und freudlos.

Regisseur James Ivory ("Wiedersehen in Howards End") ist zwar Amerikaner, doch, verglichen mit den Kollegen aus seiner Heimat, hat er schon immer die europäischsten Filme gedreht. Und das hat nicht nur mit schicken Kostümen und imposanten Herrensitzen zu tun. Für seinen neuen Film "Eine Affäre in Paris" stürzt er sich mit Elan ins "Alte Europa" der Gegenwart. Und geht dabei, wenn auch unterhaltsam, seinen eigenen Klischeevorstellungen auf den Leim.

Er schickt das junge kalifornische Gör Isabel Walker, gespielt von der zuckersüßen Kate Hudson, auf Schwesternbesuch nach Paris. Dort wartet die mit einem Franzosen der Oberschicht verheiratete Roxeanne (Naomi Watts) auf die Geburt ihres zweiten Kindes. Doch dann kommt alles anders.

Der - natürlich untreue - Franzose verlässt gerade die Wohnung und mit ihr Roxy, um fortan mit seiner neuen Liebe, der Russin Magda, durch Paris zu skaten. Isabel stiftet erst mal Trost in schwierigen Scheidungszeiten. Die werden nicht einfacher, als Schwiegermutter Suzanne de Persand (Leslie Caron) den glatt polierten Glanz der Familienfassade partout erhalten will. Sie kann aber noch so besonnen auf ihrem Landsitz in der Kaffeetasse rühren, die sittsame Familie gleitet ihr aus den Händen.

Zumal die süße lebenshungrige Isabel im fremden Paris nicht nur lernt, auf wie viele Arten man ein Halstuch knoten kann. Sie knüpft eine zarte Bande mit dem schüchternen Bücherwurm Yves und beginnt auch noch eine verhängnisvolle Affäre mit dem älteren Bruder von Suzanne. Der smarte Politiker Edgar (Thierry Lhermitte) ist ein ziemlich ausgekochter - und natürlich verheirateter - Verführer. Die Katastrophe ist programmiert.

Der Film hat alle Zutaten für eine heitere Komödie, exzellente Darsteller - in Nebenrollen sind auch Glenn Close und Stephen Fry zu sehen - und die Romanvorlage von Diane Johnson, die mit Wollust in den amüsanten Details des Kulturkampfes badet. Doch als sich am Ende der Scheidungsstreit um ein Gemälde, eine Versteigerung, die Kindsgeburt, spontaner Elternbesuch aus Kalifornien und ein Mord aus Eifersucht überschlagen, droht auch Ivorys Film im Graben des Kampfes zu versinken.

  • Eine Affäre in Paris, USA 2003, 115 Minuten, ab 12 Jahren, R: James Ivory, D: Kate Hudson, Naomi Watts, Jean-Marc Barr, Glenn Close, Stephen Fry, täglich im Streits'; Infos im Internet: www. eine-affaere-in-paris.de

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