Dienstag, 14. Februar 2012, 20:44

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Kino

Die Suche nach einer Familie in der Wüste Gobi

Wie zwei Studenten ihren beeindruckenden "Kamel-Film" drehten

Ebenso ungewöhnlich wie "Die Geschichte vom weinenden Kamel" sind die Hintergründe dieses Films. Die Mongolin Byambasuren Davaa und der Italiener Luigi Falorni hatten bereits den Dokumentarfilm "Das orange Pferd" zusammen gedreht und waren auf der Suche nach einem weiteren Projekt, das in der Mongolei spielen sollte. Davaa, die dort 1971 geboren wurde und Regieassistentin sowie Moderatorin beim staatlichen Fernsehen war, studierte Jura, bevor sie an die HFF München ging.

Das Land liegt ihr am Herzen, und wie es bisher oft dargestellt wird, gefällt ihr nicht. "Wenn ein Film über die Mongolei gedreht wird, sieht man zuerst schöne Bilder, dann Musik, dann wird als Höhepunkt ein Tier geschlachtet und auf die Probleme wie Alkoholismus und Arbeitslosigkeit hingewiesen. Genau das wollte ich nicht. Ich wollte keinen Ethno-Film drehen."

Das ist ihr ja auch gelungen, wobei der Zufall ein wenig mitgespielt hat, denn obwohl sie und Forlani das Ritual, um das sich der Film dreht, vorher kannten, wussten beide nicht, ob sie eine Familie mit einer Kamelherde finden würden, in der ein Jungtier "abgestoßen" wurde. 2002 gab es einen harten Winter, und viele Familie hatten sich in andere, wärmere Teile der Wüste Gobi abgesetzt. Aber dann fanden sie doch noch eine Familie mit Herde. Und schließlich half ihnen auch noch das "dokumentarische Glück", wie Falorni es nennt.

Das Regieduo verkörpert zwei sehr unterschiedliche Kulturkreise und Temperamente. "Er hatte zuerst Probleme mit seiner Ungeduld", erinnert sich Davaa an die lange Suche. "Ich habe ihm gesagt, das braucht alles seine Zeit." "Nach ein paar Wodkas wurde ich ruhiger", erklärt Falorni seine Strategie, um die Geduld der Mongolen in der Wüste Gobi besser verstehen zu lernen.

Für den 1971 in Florenz geborenen Italiener, der Robert Flaherty ("Nanook, der Eskino") als sein Vorbild nennt, ist der Kamelfilm seine Abschlussarbeit an der HFF München. Das "Kamel" lief erfolgreich beim Münchner Filmfest und beim Filmfest Toronto in diesem Jahr. Außerdem war es für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm nominiert.

Falorni überlegt nun, ob er vielleicht in Zukunft Werbefilme drehen soll. Für Davaa ist ihre Abschlussarbeit momentan noch nicht in Sicht. "Dazu habe ich noch ein paar Filme Zeit", sagt sie. Wenn sie die so nutzt wie für diesen Film, dann wird man sich über die Ergebnisse vermutlich freuen können.vob

 

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