Dienstag, 14. Februar 2012, 19:59

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Kino

"Diese Rolle gehörte zu den schwierigsten meiner Karriere"

"Samurai" Tom Cruise über japanische Geschichte, Heldentum und die Bedeutung von Filmpreisen

ABENDBLATT: Sie haben sich über ein Jahr auf Ihre Rolle in "Last Samurai" vorbereitet, sich in Schwertkampf ausbilden lassen und viel über Geschichte gelesen. Was haben Sie herausgefunden?

TOM CRUISE: Ich las viel über den Ehrenkodex der Samurais, über ihre Ehre, Loyalität und Verantwortung, die sie sogar für alle Folgen ihres Handelns übernehmen, und dachte, wie stark sie sein mussten, um so zu leben. In gewisser Weise konnte ich mich damit identifizieren. Es ist eine großartige Story, in der es nicht nur um Action geht, sondern um die Entwicklung der Figuren. Als ich das Drehbuch las, wusste ich, dass ich eine lange Zeit dafür brauchen würde, um mich auf meine Rolle vorzubereiten. Allein vier Monate brauchte ich dafür, mich körperlich darauf einzulassen. Anfangs schaffte ich es noch nicht mal, mit den Händen bis an meine Füße zu gelangen. Weitere acht Monate waren für das Schwertkämpfen notwendig, und zwar jeden Tag. Aber das alles half mir, mich auf die Rolle einzulassen, die zu den schwierigsten meiner Karriere gehört.

ABENDBLATT: Aber "Last Samurai" ist keine historisch belegte Geschichte?

CRUISE: Nein, sie ist erfunden, spielt aber in einer Zeit, die wir gründlich erforscht haben. Wir hatten aber niemals vor, Geschichtsunterricht zu erteilen.

ABENDBLATT: Sie spielen einen niedergedrückten US-Soldaten, der nicht mehr an die westlichen Werte glaubt. Sehen Sie Parallelen zur Gegenwart, in der viele die amerikanische Weltpolitik ablehnen?

CRUISE: Ich habe nicht über die politischen Verstrickungen von heute nachgedacht, als ich das Drehbuch las. Ich sah nur eine großartige Story und die Möglichkeit, für mich eine fremde Kultur kennen zu lernen. Schon bevor ich Schauspieler wurde, bin ich viel gereist, und selbst in den Vereinigten Staaten stellt man fest, dass in Kentucky die Uhren anders gehen als in New Jersey. Auf der ganzen Welt leben Menschen auf unterschiedliche Art und Weise, und ich bin sehr daran interessiert, sie kennen zu lernen und zu verstehen, warum sie so leben. Wir können voneinander lernen und werden feststellen, dass wir alle eine gemeinsame Basis haben. Nichts anderes will ich mit diesem Film zum Ausdruck bringen.

ABENDBLATT: Man erlebt Sie auf der Leinwand immer wieder in Heldenrollen. Wie heldenhaft sind Sie wirklich?

CRUISE: Ich glaube, ein Held hat keine Angst, sich für eine Sache einzusetzen, an die er glaubt. Er kämpft nicht nur für sich selbst, sondern immer für eine größere Sache, die der Allgemeinheit dient. Es geht einem Helden also niemals um persönliche Ziele. Fühle ich mich in meinem Leben manchmal wie ein Held? Nun, ich würde mich als jemanden bezeichnen, der anderen gern hilft, sowohl privat als auch in meinem Beruf. Mir liegt viel daran, dass es anderen gut geht. Vor allem durch meinen Glauben habe ich die Gelegenheit, Leute von Drogen abzuhalten und dafür zu sorgen, dass sie eine bessere Bildung bekommen. Ich weiß nicht, ob mich das zu einem Helden macht.

ABENDBLATT: Sie haben allen Erfolg, den man sich vorstellen kann, aber noch nie einen Oscar bekommen. Für "Last Samurai" wurden Sie nun für einen Golden Globe nominiert. Wie wichtig sind Ihnen solche Auszeichnungen?

CRUISE: Ich finde es natürlich toll, nominiert und ausgezeichnet zu werden, aber ich habe noch nie einen Film gedreht, um damit Preise zu ergattern. An einem ambitionierten Werk wie "Last Samurai" beteiligt zu sein, darüber zu diskutieren und zu sehen, wie sich der Film entwickelt, bedeutet mir mehr als jeder Preis. Für mich sind Preise das Sahnehäubchen auf einem Kuchen.

Interview: MARKUS TSCHIEDERT

 

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