Dienstag, 14. Februar 2012, 15:38

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Kino

"Klonen hat nichts Geheimnisvolles. Es ist, als ob man ein Ei in die Pfanne haut"

Regisseur Rolf Schübel über die Themen und Rollen in "Blueprint"

Ich bin hundertprozentig gegen reproduktives Klonen. Es ist menschenverachtend", sagt Rolf Schübel. "Gerade das hat mich an ,Blueprint' interessiert." Der 61 Jahre alte Regisseur aus Hamburg hat seinen neuen Spielfilm lange vorbereitet. So musste er beispielsweise passende Kinderdarsteller für die junge Siri finden und ist deshalb "lange mit Kinderfotos von Franka rumgerannt". Gefunden hat er dann Nina Gummich, die ein bisschen aussieht wie Franka Potente mit acht, und Karoline Teska, die die geklonte Pianistintochter als 13-Jährige verkörpert.

Für die in Kanada gedrehten Szenen wünschte sich Schübel ein Wapiti, dem als scheuen und starken Lieblingstier Siris eine große symbolische Bedeutung zukommt. Aber man hatte ihn gewarnt: Es würden jährlich mehr Menschen durch Wapitis ums Leben kommen als durch Krokodile. Die scheuen Tiere sind nur sehr schwer vor die Kamera zu bekommen. Schließlich konnte aber ein Tiertrainer aushelfen, der einen verstoßenen Wapiti-Albino aufgezogen und gezähmt hatte.

Begeistert zeigt sich der Weinkenner und Tapirfreund Schübel von seiner Hauptdarstellerin: "Franka ist eine absolut energiegeladene und zielgerichtete Person." Tagelang hat er zuerst mit ihr über die beiden Rollen gesprochen. Sie hat intensiven Klavierunterricht genommen, um sich auf den Film vorzubereiten. "Ich habe noch heute ihr erstes kleines Konzert auf meinem Anrufbeantworter", schmunzelt Schübel.

Rund 4,5 Millionen Euro hat der von der Hamburger Relevant Film produzierte Film gekostet. Gedreht wurde in Kanada, im Münsterland und in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf und in der Musikhalle. Neben deutschen Schauspielern wie Potente, Katja Studt, Justus von Dohnanyi und Wanja Mues kommen mit dem Dänen Ulrich Thomsen und dem Isländer Hilmir Snaer Gudnason auch internationale Darsteller zum Einsatz. "Als internationalen Forscher und kanadischen Naturburschen konnte ich doch nicht jemanden nehmen, den man aus jeder deutschen TV-Serie kennt."

International bemerkenswert ist übrigens immer noch die Resonanz auf Schübels vorherigen Spielfilm "Gloomy Sunday" aus dem Jahr 1999. In Neuseeland läuft das Melodram in einem Kino in Christchurch sogar schon seit mehr als zwei Jahren. Mittlerweile werden dort Dokumentationen darüber gedreht, warum die "Kiwis" immer noch in diesen Film rennen. "Ich weiß es auch nicht, aber ich freue mich darüber", staunt Schübel.

Zu Beginn seiner Karriere als Filmemacher hat der Exil-Schwabe mehrere preisgekrönte Dokumentarfilme gedreht ("Nachruf auf eine Bestie", "Indianer"). Seit dieser Zeit sind intensive Recherchen für den Regisseur selbstverständlich. Seinen Besuch in einem Gen-Labor bei einem Klon-Vorgang fand er dabei eher ernüchternd. "Das Klonen hat überhaupt nichts Geheimnisvolles. Es ist, als ob man ein Ei in die Pfanne haut." Und so eindeutig, wie er sich gegen reproduktives Klonen wendet, so unsicher ist er in Sachen Stammzellenforschung. "Das ist unheimlich schwierig. Wenn man die Tür erst einmal einen Spalt weit aufgemacht hat, versuchen andere so lange zu drücken, bis sie ganz offen ist."

Richtig ärgern kann sich der Wahlhamburger, wenn das Thema auf das Stichwort Mainstream kommt. "Das klingt in Deutschland immer noch wie ein Schimpfwort. In Hollywood bedeutet das Anerkennung." Sein Credo als Regisseur ist in dieser Hinsicht eindeutig: "Unterhaltsamkeit ist ein wichtiger Faktor, wenn darunter nicht die Komplexität oder Sensibilität des Films zusammenbricht. Ich habe meine Filme aber immer so gemacht, dass sie ein möglichst großes Publikum finden."vob

 

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