Jahrzehnt auf dem Prüfstand
Sie haben Knut - pointiert werden die 80er-Jahre entlarvt
Sie haben Knut! Eine Mitteilung, die sofortiges politisches Handeln erfordert. Zumindest nach Meinung derjenigen, die im Winter 1983 noch nicht aus den 70ern herausgekommen sind. Die anderen wollen in Tirol einfach Urlaub machen. Sie verbringen die Zeit mit Skigymnastik, während sich der Gastgeber in den vermeintlichen Fängen des Machtapparates befindet. Die Gruppendynamik bei politisch (Ex-)Bewegten haben Stefan Krohmer (Regie) und Daniel Nocke (Drehbuch) in ihrem ersten Kinofilm auf engstem Raum kondensiert. Hier rumort die Zeitenwende zwischen ideologischer Verbissenheit und neuem Hedonismus mit keimendem Yuppietum und produziert für alle, die sich erinnern, entwaffnende Pointen. Wie schon in ihren TV-Filmen "Ende der Saison" und "Familienkreise" beweisen sich Krohmer und Nocke als hervorragende Beobachter von entlarvendem Understatement. Die stimmigen Figuren profitieren von Nockes Gespür für die Diktion der Protagonisten. Er kann sie auch darstellen, wie hier als Wolfgang, den tragikomischen Verfechter der politischen "Sache", der die Almhütte zum Aktionszentrum für die Befreiung Knuts erklärt. Der braucht das so wenig wie der Heaven 17 hörende Nachwuchs. Auch das waren die 80er und der Film hat sie dort erwischt, wo's weh tut. Oder wie Aerobic-Ikone Jane Fonda einst propagierte: "It hurts sooo good!" GABRIELE MEIERDING



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg



Das Rätsel des Tages




