Das Drama der Flüchtlinge
Bilder größter Intensität: In This World, Michael Winterbottoms Gewinner der Berlinale 2003
Es gib derzeit weltweit 14 Millionen Flüchtlinge. Menschen die auf eine bessere Zukunft fern ihrer Heimat hoffen, und vor denen ein Großteil der (reichen) Industrieländer die Grenzen hermetisch verschließt. Wer politisch, rassisch oder religiös verfolgt wird (und das beweisen kann), mag für einige Zeit kommen, doch wer "nur" vor der Armut flieht, für den ist kein Platz. In seinem dokumentarisch anmutenden Spielfilm "In This World", Gewinner der diesjährigen Berlinale, nimmt der britische Regisseur Michael Winterbottom ("Wonderland") sich dieser Wirtschaftsflüchtlinge an und zeigt, wie der 16-jährige Enayatullah und sein älterer Cousin Jamal von ihren Verwandten auf die lange Reise in eine vermeintlich bessere Welt geschickt werden. Mit Hilfe teuer bezahlter Menschenschmuggler führt die Reise aus dem Norden Afghanistans über den Iran, das kurdische Grenzgebiet, die Türkei, Italien und Frankreich, um nach Wochen in Großbritannien zu enden. Zahllose Hindernisse sind zu überwinden: Immer gilt es, die eigene Herkunft zu verschleiern, um nicht an irgendeiner der Grenzen zurück geschickt zu werden. Stets herrscht Unsicherheit, wie und vor allem wann es weitergeht, ob der angekündigte Kontaktmann tatsächlich vor Ort oder mit dem Geld verschwunden ist. Mal müssen Beamte bestochen, mal Lücken im Zaun aufgespürt werden. Und das alles für nicht mehr als die Hoffnung auf ein klitzekleines Stück vom westlichen Wohlstandskuchen. Winterbottom hat diese Reise mit Handkameras begleitet und Bilder großer Intensität gefunden. Doch ob es türkische Soldaten sind, die nachts wahllos ins Dunkel des Grenzgebiets schießen oder Szenen aus einem für 40 Stunden verschlossenen Lkw-Container, in dem die Flüchtlinge hocken: Das Leid verkommt bei ihm nie zum propagandistisch ausgeschlachteten Showeffekt; ohnehin bleibt vieles ganz der Fantasie des Zuschauers überlassen. Was "In This World" aufwirft, ist die Frage, mit welchem Recht sich die Reichen die Armen vom Leib halten. Wie sehr sie sich eigentlich gleichen, zeigt Winterbottom ganz nebenbei: wenn Enayatullah und Jamal auf ihrer Reise (fast) überall mit den Einheimischen gemeinsam Fußball spielen. Unüberwindbare kulturelle Grenzen sehen anders aus.



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