Dienstag, 14. Februar 2012, 20:46

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Kino

Wie Helmut die Frauen entdeckte

Ganz nett, aber harmlos: Hendrik Handloegtens Verfilmung von Frank Goosens Bestseller Liegen lernen

"Stillhalten. Nichts machen. Dann laufen einem die unglaublichsten Frauen über den Weg." - Potzblitz. So funktioniert das also mit dem Paarungsverhalten. Klingt leicht. Einfach mal gemütlich an den Tresen gestellt und abgewartet. Zack - schon ist sie da, die Zauberfrau. Geht ratzfatz. Ist es wirklich so einfach, wie uns das Filmplakat weismachen will? Na ja, vielleicht. Aber man weiß ja, wie das ist. Am Anfang mögen sie dich anschmachten - aber versuch mal, so eine Traumfrau zu halten. Genau da liegt auch Helmuts Problem. Helmut (Fabian Busch) ist der Held aus Frank Goosens jetzt verfilmtem Bestseller "Liegen lernen" - oder sagen wir lieber: Er ist der Protagonist. Denn ein gefühlsfeiger Bindungsverweigerer wie er taugt kaum zum Helden - und ehrlich gesagt: ein Held namens Helmut? Wohl kaum. Nachdem der 32-Jährige von seiner Freundin Tina ein paar unfeine Wahrheiten an den Kopf geworfen bekommen hat, muss Helmut einsehen: Die Frau hat Recht. Wann ist da bloß was schief gelaufen in seinem Leben? Die Antwort - in den 80er-Jahren - setzt gleichzeitig den zeitlichen Rahmen des Films: Helmut verbringt sein Teenager-Dasein unter seinem beleibten Namensvetter, Kanzler Kohl. Wichtiger als Politik ist ihm allerdings die blonde Britta (Susanne Bormann), die spätestens seit der ersten gemeinsamen Nacht Helmuts zukünftiges Verhältnis zu Frauen prägen wird. Und derer treten im Laufe der Jahre so einige in sein Leben: Gisela (Fritzi Haberlandt als patent-spießiges Saubermädel), die ihn schon seit der Schulzeit anhimmelt und als Studentin seine erste feste Beziehung wird. Barbara (Sophie Rois als nihilistische Theaterschlampe), Giselas Mitbewohnerin, mit der er ein emotionslos-physisches Verhältnis pflegt. Gloria (Anka Lea Sarstedt als cognacreife Femme fatale), die so gar nicht die Frau ist, die Helmuts Eltern sich für ihren Junior wünschen. Und Tina - die es zu halten gilt. Auch wenn Autor Frank Goosen schon als "Nick Hornby des Ruhrpotts" bezeichnet wurde, ist "Liegen lernen" in der Regie von Hendrik Handloegten (arbeitete am Drehbuch von "Good Bye, Lenin!" mit) nicht vergleichbar mit einer ironischen Männergeschichte, wie sie etwa die Verfilmung von "About A Boy" erzählt. Dennoch ist die Komödie ein witziger deutscher Weißt-du-noch-Streifen, in dem sich vor allem die Generation der heute um die 30-Jährigen wiedererkennen und amüsieren wird. Die Atmosphäre ihrer Null-Bock-Epoche wird genüsslich angerührt, mit der passenden Musik untermalt und schön detailverliebt serviert. Ein Film, der vielleicht nicht gerade überfällig war, aber einen verregneten Sonntagnachmittag aufzuhellen vermag. MAIKE SCHILLER

  • Liegen lernen Deutschland 2003, 87 Min., ab 12 Jahren, R: Hendrik Handloegten, D: Fabian Busch, Susanne Bormann, Birgit Minichmayr, Florian Lukas, Sophie Rois, täglich im Abaton, Cinemaxx, Grindel, UCI Mundsburg, Zeise

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