"Wo gehöre ich eigentlich hin?"
Hongkongs Superstar Maggie Cheung über die Dreharbeiten zu „Hero“, europäisches Kino und das Gefühl von Heimatlosigkeit
ABENDBLATT: Waren Sie sehr überrascht, als Zhang Yimou Sie bat, in einem Martials-Arts-Film mitzuspielen? MAGGIE CHEUNG: Ich hörte zum ersten Mal von "Hero", als ich das Skript erhielt. Zhang Yimou hatte es geschrieben, ohne allzu vielen Leuten davon zu erzählen. Ich konnte mir aber von Beginn an sehr gut vorstellen, dass er der richtige Regisseur für diese Geschichte sei. Ich wusste zwar, dass er eine Vorliebe für ausgetüftelte Farbdramaturgie hat, aber dass der Film so farbenfroh werden würde, wie er jetzt auf der Leinwand zu sehen ist, hätte ich nicht gedacht. ABENDBLATT: Sie waren also nicht skeptisch, ob der Film gelingen würde? CHEUNG: Nicht wirklich. Für mich war es von Beginn an eine sehr gute Idee, dass Zhang Yimou einen Film wie diesen drehen wollte. Er war an einem Punkt seiner Karriere angekommen, wo er einmal etwas anderes versuchen musste. Ich kann nicht sagen, was Zhang Yimou weiterhin vorhat. Aber es war sicherlich sehr bereichernd für ihn, von eingefahrenen Bahnen abzuweichen und einen Action-Film zu drehen. ABENDBLATT: Wie wichtig war es für Sie, so tief in die Geschichte Chinas einzutauchen? CHEUNG: Für mich ist die Epoche der kämpfenden Staaten nur die Folie, vor der sich die eigentliche Geschichte abspielt. Eine Geschichte über unterschiedliche Charaktere mit all ihren Emotionen und Beweggründen. Mir ging es nur um Flying Snow und ihre Motive. Solch ein Charakter ist auch durchaus in einem Film vorstellbar, der in der Gegenwart spielt. Natürlich verändert sich in einer zeitgenössischen Geschichte vieles, Kostüme, Sets und all das. Aber man kann auch heutzutage eine Frau finden, die so stur ihre Ziele verfolgt. Der geschichtliche Hintergrund war mir also nicht so wichtig. ABENDBLATT: Sie haben in europäischen Filmen mitgespielt, zum Beispiel in "Irma Vep" von Olivier Assayas. Können Sie sich vorstellen, weiterhin in Europa zu drehen? CHEUNG: Sicher. Das hängt natürlich davon ab, welcher Regisseur mit mir einen Film machen will. Ich wäre darüber sehr glücklich: eine schöne Abwechslung von dem, was ich bislang gemacht habe. Als Schauspielerin möchte ich die unterschiedlichsten Dinge ausprobieren und mich nicht auf ein Stereotyp oder eine gewisse Art von Film festlegen lassen. ABENDBLATT: Sie leben aber in Paris? CHEUNG: Zum Teil. Mein erster Wohnsitz ist Hongkong. Manchmal habe ich das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Aber das passiert nur, wenn es mir nicht so gut geht. Dann frage ich mich: "Wo ist meine Heimat? Wo gehöre ich eigentlich hin?" Dann fühle ich mich auch in der jeweiligen Stadt, in der ich mich gerade aufhalte, unverstanden. Doch alles in allem bin ich mit der Situation zufrieden. Nur in einer der beiden Städte zu leben - das würde mich sehr ersticken. Das hat natürlich auch mit meinem Beruf zu tun. Ich mag es gar nicht so sehr, ein Star zu sein und immer auf der Straße erkannt zu werden - so wie in Hongkong. In Paris hingegen nimmt niemand Notiz von mir. Ich muss ab und zu flüchten können. Und in einer anderen Kultur zu leben, bedeutet, die eigene noch mehr zu schätzen. Interview: MICHAEL RANZE



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