Land ohne Perspektive
Diego Lerman zeigt in Aus heiterem Himmel, wie marode seine Heimat Argentinien ist
An dem Vergleich mit Jim Jarmusch kommt man nicht vorbei. Zu sehr ähnelt Diego Lermans Regiedebüt "Stranger Than Paradise": Wortkarge Dialoge, schräge Helden und eine Sinnsuche, in grobkörnigen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt. Auf der Suche sind die Punk-Lesben Mao (Carla Crespo) und Lenin (Veronica Hassan). Aus dem krisengeschüttelten argentinischen Alltag haben sie sich längst zurückgezogen und leben in den Tag hinein, schnorren hier eine Zigarette, klauen dort ein Auto - und versuchen auch mal jemanden auf ihre Seite zu ziehen. So auch die einsame Großstadtpflanze Marcia (Tatiana Saphir). Erst entführen sie die dickliche Verkäuferin ans Meer, schließlich trampen sie mit ihr zu einer Tante in die Provinz. Die Unebenheiten des Alltags gleicht die alte Dame mit Likör, jungen Untermietern und Zigaretten aus - und wird das Leben der drei Frauen verändern: jedenfalls in Nuancen. Denn auf große Lösungen hat Lerman es nicht angelegt. Er spürt Stimmungen auf, untermalt sie mit lärmender Musik und zeigt eine Generation junger Argentinier, für die es immer schwieriger wird, in dem maroden Land eine Perspektive zu sehen. Dem 27-jährigen Lerman ging es nicht anders. Polizeieinsätze und Plünderungen unterbrachen die Dreharbeiten, zwischendurch ging das gesamte Team immer wieder auf die legendären Demonstrationen. Mittlerweile kann er gelassener in die Zukunft sehen. Sein Film gewann in Locarno den Silbernen Leoparden. CLARA STURM Aus heiterem Himmel Argentinien 2002; 94 Min.; ab 16 Jahren, R: Diego Lerman; D: Tatiana Saphir, Carla Crespo, Veronica Hassan, täglich im 3001 (OmU).



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