Dienstag, 14. Februar 2012, 20:34

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Kino

"Radikalität ist etwas Belebendes"

Hauptdarsteller André Hennicke über Körpereinsatz und Psychogerangel bei den Dreharbeiten zu "Der alte Affe Angst"

Er hat ein Gesicht, das man so schnell nicht wieder vergisst. Das ist ein wichtiges Kapital für einen Schauspieler. Und doch ist Andre Hennicke erst vor kurzem so richtig ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt, hat sich fast schon heimlich still und leise nach vorne gespielt. Er bekam den Deutschen Fernsehpreis 2002 für seine Rolle als Rechtsanwalt an der Seite von Nina Hoss im raffinierten Verwirrspiel "Toter Mann". Gerade erst zeigte das Fernsehen ihn als Kriegsheimkehrer in Rainer Kaufmanns "Kalt ist der Abendhauch". In "Der alte Affe Angst" spielt er einen Theaterregiseur, der mit seiner Partnerin, gespielt von Marie Bäumer, auf schrecklich-schöne Weise um die gemeinsame Liebe kämpft. Bis aufs Blut. "Das war Verzweiflung pur", erinnert sich der 44 Jahre alte Wahlberliner an seine Rolle, von der er sagt, sie sei "bisher eine der größten Herausforderungen" gewesen. Und die Thematik kam ihm ziemlich bekannt vor, denn er steckte gerade im Beziehungs-Clinch. "Die Probleme waren zu Hause schon da. Der Film hat mir sogar geholfen, sie anzunehmen und eine radikale, aber wunderbare Lösung zu finden." Voll des Lobes ist er über die Zusammenarbeit mit Marie Bäumer, die für ihre Rolle gesetzt war, während er sich im Casting durchsetzen konnte. "Ich habe da eine Menge Wind gemacht und kam wohl sehr erotisch rüber. Marie ist sofort darauf eingestiegen, obwohl sie schon sehr erschöpft war." Körperlicher und seelischer Einsatz waren also gefragt, und Hennicke hat ihn in einer Szene sogar übertrieben. Als er von der Motorhaube eines Autos eine Rolle auf die Straße machte, verletzte er sich an der Schulter und musste operiert werden. Er bekam allerdings erst eine Woche später einen OP-Termin - und machte deshalb weiter. "Ich konnte nichts mehr machen, nur spielen konnte ich noch", erinnert er sich. Regisseur Oskar Roehler hatte nichts dagegen. "Er ist in seiner Radikalität unheimlich offen, fast kindlich und denkt nicht darüber nach, ob er das jemand auch zumuten kann." Nach vielen Krisen und Drehabbrüchen haben sich Regisseur und Darsteller dann aber doch zusammengerauft. Heute meint Hennicke: "Radikalität ist etwas sehr Belebendes in unser ritualisierten Gesellschaft." Der Schauspieler sieht sich selbst als Spätstarter. Der leidenschaftliche Fotograf hat Drehbücher geschrieben und veröffentlicht im Herbst seinen ersten Roman. Hennickes Motto: "Man soll nicht auf die großen Rollen warten, sondern sich als Mensch gestalten."vob

 

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