Dienstag, 14. Februar 2012, 21:07

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Kino

Eine Möglichkeit, Abschied zu nehmen

In ihrem Film Mein kleines KInd schildert Katja Baumgarten die schwierige Entscheidung, ein behindertes Kind auszutragen oder abzutreiben

Ein Albtraum für jede Frau: In der 21. Schwangerschaftswoche erfährt Katja Baumgarten, Hebamme und bereits dreifache Mutter, dass ihr noch ungeborenes Kind schwer behindert ist. Der Arzt diagnostiziert bei einer Ultraschalluntersuchung eine Chromosomenanomalie, zu deren Folgen unter anderem ein Herzfehler und ein offener Rücken gehören. "Die sofortige Beendigung der Schwangerschaft ist in einer solchen Situation der übliche Weg", sagt der Mediziner und: "Sie müssen entscheiden!" Für den Vater, der ohnehin kein weiteres Kind wollte und die Familie nach schweren Auseinandersetzungen verlassen hat, ist die Sache klar: "Was überlegst du überhaupt?", fragt er die werdende Mutter. Doch die ist schwer im Zweifel, denn längst spürt sie Bewegungen des Ungeborenen in ihrem Bauch. "Mein kleines Kind" von Katja Baumgarten, gefilmt von Gisela Tuchhagen, schildert diesen Prozess der Entscheidungsfindung und ist vieles zugleich: verstörend, erschreckend, zum Nachdenken zwingend, Hoffnung spendend, Verständnis weckend. Katja Baumgarten hat Angst - und viele Fragen. Kann sie die Belastung aushalten, wenn das Kind erst einmal auf der Welt ist und womöglich nur wenige Wochen zu leben hat? Kann sie das ihren drei Kindern antun? Und was ist mit dem Ungeborenen? Verlängert sie nicht dessen Leiden, wenn sie das Kind tatsächlich austrägt? Oder leidet es gar nicht, sondern genießt die Nähe zu seiner Mutter? Katja Baumgarten entschließt sich, das Kind zur Welt zu bringen. Zu Hause, unterstützt von befreundeten Ärzten. Als es so weit ist, weiß sie, dass sie alles richtig gemacht hat, dass sie auf diese Weise von ihrem Baby wirklich Abschied nehmen kann, wenn es denn so kommt. Das letzte, körnig-rote Bild des Films zeigt das Kleine auf ihrem Bauch - ein Bild großen Friedens. "Mein kleines Kind" ist kein Film, der Eltern in einer vergleichbaren Situation unter Druck setzt, indem er Verhaltensaufforderungen liefert. Vielmehr zeigt er eine Möglichkeit auf, die es eben auch gibt - selbst wenn das Gros der Mediziner (und der restlichen Öffentlichkeit) davon nichts wissen will. Er macht nachdenklich, aber eine Entscheidung nimmt er nicht ab. HOLGER TRUE Mein kleines Kind D 2001, 88 Minuten, ab 12 Jahren, R: Katja Baumgarten, täglich außer Di im Abaton; Internet: www.meinkleineskind.de

 

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