Zerstören, was nicht mehr zu ändern ist
Peter Sehr verpflanzt in seinem modernen Film noir Love The Hard Way ein Liebesverhängnis nach New York und landet zwischen allen Stühlen
Einen modernen Film noir hat der deutsche Regisseur Peter Sehr ("Kaspar Hauser") in New York gedreht. Es ist die Geschichte einer zerstörerischen Amour fou zwischen einem Kleingangster und einer Studentin. Jack (Oscar-Preisträger Adrien Brody aus "Der Pianist") und Claire (Charlotte Ayanna) lernen sich in einem kleinen Kino kennen, in dem sie Karten verkauft und er die Zeit zwischen kriminellen Aktionen totschlägt - wenn er nicht in Antiquariaten nach Erstausgaben sucht oder in seinem Container-Refugium an einem Tagebuch-Roman arbeitet. Ein krimineller Schöngeist also, der einer gewissenhaften Studentin zum Liebesverhängnis wird. Als hochgestylte Kunstfigur verkörpert Brodys Jack die zynische Romantik eines Desillusionierten. Der Kriminelle Jack wird zum Autor seiner eigenen Geschichte, indem er sein Leben fiktionalisiert. Nur Claire, die aus Fleisch und Blut ist, lässt sich nicht aus seinem Leben herausschreiben. Er muss sie zerstören. Wie die beiden Protagonisten, so verzehrt sich schließlich auch der Film an seinen Ansprüchen, hard-boiled, finster und hip zu sein. Er wirkt wie die Blaupause vieler hartgesottener Geschichten, die von Verzweiflung, Brutalität und Beziehungsunfähigkeit handeln. Das hindert ihn daran, sich aus seinem artifiziellen Rahmen zu befreien. Vielleicht liegt es daran, dass die Vorlage zu diesem kultbewussten und in Kinomythen schwelgenden Film aus China kommt. Wang Shuos Roman über eine zerstörerische Liebesgeschichte hatte Peter Sehr zu diesem Film inspiriert. Dass er sie nach New York verpflanzt hat, unterstreicht ihre Ambivalenz. Was in diesem Fall auch bedeutet, zwischen allen Stühlen der cineastischen Pop-Literatur zu landen. Love The Hard Way D 2001, 99 Min., ab 16 J., R: Peter Sehr, D: Adrian Brody, Charlotte Ayanna, August Diehl, Pam Grier, tägl. im Grindel (OF und OmU), UFA-Palast



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