Dienstag, 14. Februar 2012, 20:42

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kino

"Ein Held, der alles richtig macht, ist langweilig"

Was der Marvel-Zeichner Stan Lee seinem "Daredevil" 1964 mit auf den Weg gab und wie er den Boom der Comicverfilmungen erlebt

ABENDBLATT: Nach "Spider-Man" folgt eine Comicverfilmung nach der anderen. Sehnen sich die Menschen nach Superhelden? LEE: So weit würde ich nicht gehen. Die Menschen mögen Abenteuergeschichten, egal ob Krieg oder Frieden herrscht. Comics sind Märchen für Erwachsene. ABENDBLATT: Aber wie erklären Sie sich den Boom? LEE: Schon in den 70ern wurden Comics verfilmt, aber meistens billig heruntergekurbelt. Ich mochte diese Filme nie und bin froh, dass die Studios nun die besten Regisseure und die größten Stars verpflichten. Mit der Computertechnologie hat man heute bessere Möglichkeiten, und seit dem gigantischen Erfolg von "Spider-Man" haben Comicverfilmungen in Hollywood die höchste Wichtigkeitsstufe. ABENDBLATT: "Daredevil" will es "Spider-Man" nachmachen. Was hat er, das die "Spinne"" nicht hat? LEE: Seine Geschichte ist düsterer als die von "Spider-Man". Er ist blind und hat nicht mehr die jugendliche Unschuld. Auch seine Liebe zu einem Mädchen entwickelt sich nicht so harmonisch. Für mich ist "Daredevil" eine völlig andere Figur. ABENDBLATT: Wie kamen Sie 1964 auf "Daredevil"? LEE: Ich grübelte über einen neuen Superheld; das war mein Job beim Marvel-Verlag. Mir fiel auf, dass es keinen blinden Helden gab. Menschen, die ihre Sehkraft verloren haben, können besser riechen und hören. Ich überlegte, wie es wäre, wenn diese Sinne bei einem Blinden so perfekt ausgeprägt sind, dass er seine Umwelt besser wahrnehmen kann als ein Sehender. "Daredevil" war geboren. ABENDBLATT: Sie revolutionierten in den 60ern die Comic-Branche mit gehandicapten Helden, die eher darunter leiden, dass Sie Superkräfte haben . . . LEE: Das stimmt. Ich fand Helden, die alles richtig machen und unbesiegbar sind, irgendwie langweilig. Meine sind menschlicher und dadurch glaubwürdiger, weil man sich mit ihnen identifizieren kann. Trotz der Superkräfte haben sie die Probleme wie wir. Wenn ich fliegen könnte, heißt das noch lange nicht, dass ich nie krank werde oder nicht sterbe. ABENDBLATT: Wie viel Einfluss haben Sie auf Filme mit Ihren Figuren? LEE: Ich habe nicht wirklich etwas zu sagen. Es wird strengstens darauf geachtet, Stimmung und Stil der Comics zu transportieren. Mehr kann ich mir nicht wünschen. ABENDBLATT: Sind Sie schon Multimillionär? LEE: Leider nicht. Ich verdiene kein Cent daran, wenn "Daredevil" auf den Markt kommt und auch noch mit Merchandising-Artikeln Geschäfte gemacht werden. Mir gehören die Figuren nicht, sondern Marvel. ABENDBLATT: Sie sind 80 Jahre alt. Erfinden Sie immer noch Superhelden? LEE: Natürlich! Ich habe eine Firma und entwickle Filme und Fernsehserien für meine neuen Figuren. Aber es ist nicht mehr so einfach, weil man ständig das Gefühl hat, dass es jeden Superheld schon mal gegeben hat. Interview: MARKUS TSCHIEDERT

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus

Weiterführende Links