Probleme davor und danach
Drehbuchautor Charlie Kaufman und Regisseur Spike Jonze über ihren listigen Film "Adaption" - Interview
ABENDBLATT: Erzählen Sie doch bitte, wie der Film zu Stande kam. KAUFMAN: Das ist haargenau dieselbe Geschichte wie im Film. Ich wurde angeheuert, um ein Drehbuch aus dem Bestseller "The Orchid Thief" zu machen. Ich sagte zu - genauso wie Nicolas Cage Tilda Swinton zusagt. Dummerweise fiel mir nichts ein, es ging einfach nicht. Ich war daraufhin sehr niedergeschlagen und hatte dann die Idee, mich selbst einzubringen. ABENDBLATT: Was sagten die Produzenten dazu? KAUFMAN: Dem Studio habe ich natürlich nichts erzählt. Sieben Monate später lieferte ich das Drehbuch ab. Einige Tage habe ich nichts vom Studio gehört, was mich sehr irritierte. Niemand wusste, wer Donald Kaufman, der angebliche Co-Autor, war. Musste der also auch noch bezahlt werden? Doch alles in allem waren die Produzenten sehr begeistert, enthusiastisch geradezu. ABENDBLATT: War es wirklich so schwierig für Sie, ein Drehbuch zu schreiben? KAUFMAN: Es war sehr schwierig, noch schwieriger, als es im Film rüberkommt. Das ist nicht immer so. Ich hatte Probleme davor und danach. ABENDBLATT: Wie viele doppelte Böden kann man in einen Film einbauen, ohne die Übersicht zu verlieren? KAUFMAN: Ich muss zugeben, dass wir beim Schnitt große Probleme hatten, uns daran zu erinnern, was wir eigentlich wollten. Wir konzentrierten uns auf einen Aspekt des Films oder einen Handlungsstrang, und dadurch fiel etwas anderes weg, weil wir viel zu nah an der Geschichte waren. Einmal musste Meryl Streep uns daran erinnern, dass in einer Szene in der Beziehung ihrer Figur zu Charlie etwas zu fehlen schien. JONZE: Wir mussten nicht nur die verschiedenen Stufen der Realität in den Griff bekommen, sondern auch die verschiedenen Stadien von Themen, Beziehungen, Chronologien und vor allem zahlreiche unterschiedliche rote Fäden: Charlies Schreibprozess, Charlies Beziehung zum Buch, zu seinem Bruder, Susan Orleans Beziehung zu John Laroche, John Laroches Obsession für Orchideen. ABENDBLATT: Wie lange hat der ganze Schnitt dann gedauert? JONZE: Wir haben über ein Jahr dafür gebraucht. Wir hatten eine riesengroße Tafel im Schneideraum, die übersät war mit Index-Karten. Alle zwei Monate gaben wir Listen heraus, was wir schon abgearbeitet hatten. Eine sehr anstrengende Arbeit. Interview: Michael Ranze



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