Dienstag, 14. Februar 2012, 16:59

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Kino

"Als ob man in einen Spiegel schaut"

Es ist, wie es ist: Die stolze Frau Patricia Kaas über Hunde, Körpersprache und ihren ersten Film

Premiere: Patricia Kaas, 35 Jahre alte Sängerin ("Mademoiselle chante le blues") versucht sich in "And Now . . . Ladies & Gentlemen" erstmals als Schauspielerin. Die schlanke Blondine mit dem rauen Timbre, jüngstes von sieben Geschwistern, hat seit Ende der 80er-Jahre mehr als zehn Millionen Tonträger verkauft. Sie war die erste Popsängerin, die beim SHMF auftrat - 1999 auf dem Rathausmarkt. Das Gespräch mit Kaas fand in Berlin statt. Dort hatte sie am Vorabend mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Staatspräsident Jacques Chirac die neue französische Botschaft eingeweiht. ABENDBLATT: Worüber haben Sie mit Ihrem Präsidenten gesprochen, über Politik oder über Musik? PATRICIA KAAS: Über Hunde. Politik ist nicht so mein Ding. Und wenn ich mit Freunden am Tisch sitze, möchte ich auch nicht, dass die sich über das Singen unterhalten. ABENDBLATT: Hunde? KAAS: Ich habe von Claude Lelouch diesen Hund geschenkt bekommen (deutet auf ein weißes Wollknäuel, das freudig angewackelt kommt). Die Chiracs haben auch so einen, ein Männchen. Ich habe ein Mädchen. Wir haben überlegt, ob wir sie verheiraten sollen. ABENDBLATT: Wie wichtig war Film für Sie vor dem Lelouch-Film. KAAS: Ich bin nie in einen Film gerannt. Meine Leidenschaft ist Singen. 1993 hatte ich schon einmal das Angebot, für den US-Regisseur Stanley Donen ("Singin' In The Rain") einen Teil des Lebens von Marlene Dietrich zu spielen. Ich war unsicher, aber meine Freunde haben mir zugeraten. Die Finanzierung ist dann geplatzt. Aber vielleicht ist das ganz gut, sonst hätte man mich bei meinem Filmdebüt gleich mit Marlene verglichen. ABENDBLATT: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? KAAS: Das kann ich nicht selbst entscheiden. Für mich war es wichtig, Claude nicht zu enttäuschen. Das Risiko liegt bei ihm. Über mich können die Leute höchstens sagen: Bah, sie singt besser, als sie schauspielert. Ich glaube aber, ich habe ihn nicht enttäuscht. Ich fand es berührend, weil man von sich selbst Sachen preisgibt, die man sonst nicht mitteilt. Es ist, als ob man in einen Spiegel schaut. ABENDBLATT: Hat Jane Ähnlichkeit mit Ihnen? KAAS: Sie ist eine Frau in meinem Alter, und ich trage im Film meine eigenen Kleider. Sie ist sensibel, aber auch stark und beschützt sich im Leben. Das kann man schon vergleichen. Der Unterschied: Sie ist vom Leben müde, glaubt nicht mehr an die Liebe und ist krank. All das teile ich nicht. ABENDBLATT: Film und Musik sind zwei unterschiedliche Kunstbereiche mit ganz eigenen Eitelkeiten. Was ist Ihnen beim Besuch auf der "anderen Seite" aufgefallen? KAAS: Wenn man eine Schauspielerin ist, genießt man in den Medien mehr Respekt als eine Sängerin. ABENDBLATT: Wirklich? KAAS: Ja. Dabei kannst du beim Film eine Szene schmeißen, man kann sie dann wieder neu drehen. Wenn es noch mal passiert, machst du sie eben noch einmal. Auf der Bühne hast du diese Möglichkeiten nicht. Da ist es, wie es ist. Ein Unterschied ist auch, dass man nicht nur mit Worten arbeitet. Im Film muss man Emotionen auch im Gesicht sehen, im Blick. ABENDBLATT: Aber Sie sind doch eine Sängerin, die sehr intensiv mit ihrer Körpersprache arbeitet. KAAS: Ich habe das nicht extra gelernt. Vielleicht liegt das in meinem Blick oder in den Liedern. Das wollte übrigens auch Lelouch. Er sagte immer: "Ich inszeniere nicht. Ich nehme nur, was schon da ist." ABENDBLATT: In den vergangenen Tagen war wieder sehr viel über die deutsch-französische Freundschaft zu hören. Als Tochter eines französischen Vaters und einer deutschen Mutter verkörpern Sie diese Freundschaft sozusagen. KAAS: Meine Länder sind nicht Frankreich und Deutschland, sondern Lothringen und das Saarland seit meiner Kindheit. Meine Mutter hat mir ihren starken Willen gegeben, mein Vater war sehr sensibel. Sie haben sehr schöne Kinder gemacht. Ich habe mir von beiden das Beste herausgesucht. Ich singe aber nicht für Frankreich, sondern mache das für mich. Auf die Einladung von Chirac war ich allerdings sehr stolz. Interview: VOLKER BEHRENS

 

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