Sonntag, 27. Mai 2012, 08:34

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Kino

Jugenddrama

Wie geht eigentlich Erwachsenwerden?

Marie Reichs "Summertime Blues" greift das Thema Trennungskinder mit gesundem Humor auf.

Alex (François Goeske) hatte während der unfreiwillig vorgezogenen Ferien in Kent Langeweile erwartet, aber die flotte Faye (Sarah Beck) gibt seinem pubertären Leben neue Spannung.
Foto: universum

Die Nachricht ist für Alex ein Schock: Am Herd stehend, eröffnet ihm seine Mutter Diana beiläufig, dass sie sich von seinem Vater Steffen scheiden lassen wird. Damit nicht genug: Beide Eltern sind bereits anderweitig liiert, Steffen mit seiner Sekretärin Mandy, Diana mit dem versnobten Seriendarsteller Seth, den sie zu Dreharbeiten nach Südengland begleiten will. Als Alex wegen einer Prügelei von der Schule fliegt, muss er wohl oder übel mit seiner Mutter und dem neuen Stiefvater die vorgezogenen Sommerferien im öden Kent verbringen. Hier ist nichts los, nicht mal ein Bier will man dem gelangweilten Jungen im einzigen Pub des Dorfes zapfen. Doch dann begegnet er Louie, einer patenten, hübschen und engagierten Engländerin, die so ganz anders ist als die anderen, die er bislang kannte. Das sprichwörtliche Mädchen zum Pferdestehlen - und vielleicht darum nicht die Richtige für die Liebe. Da käme Seth' Tochter Faye, zwischenzeitlich aus Amerika angereist, schon eher infrage: klug, höflich, hilfsbereit und schön.

Ein Junge in den Pubertätswirren, hin- und hergerissen zwischen den Eltern, zwei Ländern und zwei Mädchen, die entgegengesetzte Typen und Werte verkörpern: Die deutsche Regisseurin Marie Reich nähert sich in ihrem Spielfilmdebüt (nach dem Roman der britischen Autorin Julia Clarke) sensibel und aufmerksam den Problemen Heranwachsender, denen durch die Trennung der Eltern das Gefühl der Zugehörigkeit verloren geht. Das Drehbuch von Friedericke Köpf und Robin Getrost beschreibt präzise Alex' Entwurzelung, der zwischen Familienkrise, Selbstfindung, Coming-of-Age und erster Liebe laviert. Mehr noch: "Summertime Blues" reflektiert authentisch gesellschaftliche Wirklichkeit, in der immer mehr Kinder von Scheidungen und Sorgerechtsstreiten betroffen sind. Ein Themenkomplex mit viel Konfliktpotential. Doch Reich fängt die Ernsthaftigkeit immer wieder durch englischen Humor auf, der die Probleme nie zu wichtig nimmt und verleiht dem Film einen ironischen Grundton.

In dem Bemühen, griffige Gegensätze zu etablieren, ist der Regisseurin einiges zu aufgesetzt geraten. Besonders die erwachsenen Darsteller legen ihre Rollen zu eindimensional an und wissen nicht immer zu überzeugen. So agiert Karoline Eichhorn als Mutter holzschnittartig und steif. Alexander Beyer interpretiert den arroganten Seriendarsteller überzogen. Ein Manko, dass die jugendlichen Schauspieler durch Natürlichkeit und Wandlungsfähigkeit, die ihre vielschichtig umrissenen Figuren erfordern, wieder wettmachen.

++++- Summertime Blues D 2009, 116 Min., ab 6 J., R: Marie Reich, D: Francois Goeske, Sarah Beck, Karoline Eichhorn, Alexander Beyer, im Cinemaxx Harburg, UCI Mundsburg, Othmarschen; www.summertimeblues-derfilm.de

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