Roadmovie

Kein Platz für falsche Hoffnung

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Zünftig, skurril, sehr belgisch: "Eldorado" von Bouli Lanners

Ein Hauseinbruch, jedoch ein absurder: Als Yvan (Bouli Lanners, auch Drehbuch und Regie), ein pummeliger und ungepflegter Gebrauchtwagenhändler, nachts nach Hause kommt, erwischt er einen hibbeligen, ziemlich inkompetenten Dieb namens Elie (Fabrice Adde). Yvan erkennt gleich, dass der Mann, der sich unter seinem Bett versteckt und behauptet, ein Messer zu haben, ein Junkie ist. Daher ruft er nicht die Polizei. Stattdessen sieht er sich genötigt, das Häuflein Elend zu trösten. Er sei seit zwei Wochen clean, so Elie, und brauche dringend Geld, um seine Mutter zu besuchen. Kurz entschlossen bietet Yvan dem verzweifelten jungen Mann eine Mitfahrgelegenheit zu seinen Eltern an, die in der Nähe der französischen Grenze wohnen.

Nun ist Belgien nicht gerade groß. Trotzdem entspinnt sich ein zünftiges Roadmovie mit allerlei Missgeschicken und kuriosen Begegnungen. Da gibt es zum Beispiel den Kerl (Philippe Nahon), der nur Autos mit Dellen sammelt, die von tödlich angefahrenen Fußgängern stammen. Einmal kommt der betrunkene Yvan mit dem 1979er-Chevy von der Straße ab und lässt sich von einem Mann abschleppen, der nackt aus dem Campingwagen steigt. Zwischendurch fällt ein Dobermann von einer Brücke auf das Dach des Autos, und irgendwann erreichen die beiden das Haus von Elies Eltern ...

Mit einem Mal ändert sich auch der Ton von "Eldorado". Der Film, der mit eigenwilligem und skurrilen Humor begonnen hatte, begibt sich schleichend in melancholisches, fast schon dunkles Fahrwasser. Endlich erfahren wir, warum Yvan Elie überhaupt hilft. Dabei vermeidet Lanners jegliches Pathos, nie kippt "Eldorado" ins Tragische um. Im Gegenteil: Der Regisseur bleibt dem Geist seines Films treu, für falsche Hoffnungen, Erlösung etwa, ist hier kein Platz.

Die Komik des Films resultiert vor allem aus der perfekten Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, den lakonischen Dialogen und der nicht minder lakonischen, effektiven Montage, die keine Umwege nimmt: "Eldorado" ist nur 81 Minuten lang. Kameramann Jean-Paul de Zaeytijd lässt zudem Belgien mit seinen weiten Feldern wie eine Western-Prärie erscheinen, die allerdings immer wieder durch hässliche kleine Ecken, den Caravan-Park zum Beispiel, unterbrochen und markiert wird.

Ein ungewöhnliches Roadmovie.

++++- Eldorado Belgien 2008, 81 Min., ab 12 J., R: Bouli Lanners, D: Bouli Lanners, Fabrice Ade, Philippe Yahoo, Françoise Chichery, tägl. im Abaton, 3001; www.eldorado-derfilm.de

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