Internationale Kino-Leidenschaft

Dokumentation: "Comrades In Dreams": Regisseur Uli Gaulkes Reise zu vier erstaunlichen Kino-Orten in vier Ländern

Trotz Plasmafernseher, DVD-Rekorder und Pay-TV: Das Kino ist immer noch der ultimative Ort für große Bilder und noch größere Gefühle. Und das nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt -wie Uli Gaulkes wundervolle Dokumentation "Comrades In Dreams" zeigt. Nach Indien, Burkina Faso, Nordkorea und in die USA ist der Berliner Regisseur gereist, um Menschen zu besuchen, die sich mit Leib und Seele dem Kino verschrieben haben. Zum Beispiel Anup, der mit drei randvoll beladenen Lkw durch den Bundesstaat Maharashtra fährt und immer wieder an einem anderen Ort sein Zeltkino aufbaut. Hier, in der Provinz, fiebern die Besucher den epischen Bollywood-Filmen entgegen. Wie sehr, zeigt eine unvergessliche Einstellung, in der sich Hunderte vor dem Zelt drängen und den Einlass gar nicht erwarten können. Eine Szene, wie man sie bei uns nur von der Neueröffnung eines Technik-Supermarkts in den neuen Bundesländern kennt.

Auch für drei Freunde in Burkina Faso dreht sich alles ums Kino. Um zu organisierende Filmrollen, um Radiowerbung und darum, ihre Frauen ruhigzustellen, denen das alles langsam etwas zu viel wird. Solche Probleme kennt Penny im ländlichen Wyoming nicht. Sie ist allein und das eigene Kino ihre ganze Freude. Wenn dann "Titanic" mal wieder in einer Zwei-Dollar-Sondervorführung gezeigt wird, kullern ihr immer noch die Tränen aus den Augen, so berührt ist sie von dem, was gerade über die Leinwand läuft.

Die eindrucksvollsten Bilder aber hat Gaulke in Nordkorea gefunden. Hier arbeitet die Genossin Filmvorführerin mit ihren Mitteln daran, die Produktionsnormen zu erfüllen und den werktätigen Massen nach getaner Arbeit Erbauliches zu zeigen. Ob es Probleme mit dem Bewässerungssystem gibt, oder die (nord-)koreanische Küche wieder größere Wertschätzung erhalten soll: Scheinbar lässt sich jedes Problem mit einem propagandistischen 90-Minüter lösen.

Bizarr ist das bisweilen, was Uli Gaulke in aller Welt zusammengetragen hat. Und ein schlagender Beweis dafür, dass das Kino, aller Unkenrufe zum Trotz, noch lange nicht tot ist.

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