Sonnabend, 26. Mai 2012, 03:24

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Kino

Thriller

Zweifelhafter Gangster-Ruhm

Der zweite Teil von Jean-Francois Richets "Public Enemy No. 1" heißt "Todestrieb" und zeigt den Medienrummel um den französischen Ausbrecherkönig und Mörder Jacques Mesrine und sein Ende.

Mesrine saß die Pistole immer locker: Vincent Cassel (l.) spielt Frankreichs Staatsfeind Nummer 1 in Jean-François Richets Film.
Foto: senator

Wer vor vier Wochen "Public Enemy No.1 - Mordinstinkt" im Kino gesehen hat, will sicher wissen, wie es mit Jacques Mesrine (Vincent Cassel), dem französischen Staatsfeind Nr. 1, weitergeht. Der erste Teil endete spektakulär mit Mesrines Ausbruch aus einem kanadischen Gefängnis, später gefolgt von einer blutig-turbulenten Befreiungsaktion weiterer Sträflinge.

"Todestrieb", benannt nach Mesrines auch in Deutschland erschienener Biografie, setzt 1973 abrupt mit dem plötzlichen Wiederauftauchen des Gangsters in Frankreich ein und erzählt vom "Aufstieg" zum meistgesuchten Verbrecher des Landes. Es beginnt natürlich mit einem Banküberfall oder genauer: zweien, denn auf der gegenüber liegenden Straßenseite stand noch eine Bank. Verhaftung, Gerichtsverhandlung, Flucht - das dramaturgische Muster, das Regisseur Jean-François Richet bereits im ersten Teil überstrapazierte, setzt sich hier fort. Doch nun kommt ein anderes Element hinzu: die Berichterstattung in den Medien, der Rummel in der Presse. Und Mesrine spielt mit. Voller Geltungssucht genießt er seinen Ruhm, und sei er noch so zweifelhaft. Bei einem erneuten Gefängnisaufenthalt schreibt er die bereits erwähnte Biografie, die - Kritikern zufolge - vor Machismo, Küchenpsychologie und falsch verstandenem Anarchismus nur so strotzt. Mehr noch: Mesrine gefällt sich in Interviews und Kommentaren in der Rolle des politischen Aktivisten, der die Gesellschaft verändern will.

Aber: Gerade die politische Dimension des organisierten Verbrechens lotet das Drehbuch nicht aus. Die Wandlung des Gangsters zum Möchtegern-Terroristen wird nie erklärt. Dass in einem Rechtsstaat wie Frankreich ein Verbrecher auf der Straße förmlich hingerichtet wird, sorgt nicht für Irritation, von weiterer Diskussion ganz zu schweigen. So funktioniert "Todestrieb", ähnlich wie der Vorgänger, vor allem als Hommage an den französischen Gangsterfilm der 60er- und 70er-Jahre, an die Krimis von Jean-Pierre Melville, Alain Corneau oder José Giovanni. Fazit: Gut gemachtes, in der Titelrolle hervorragend gespieltes und aufwendig inszeniertes Actionkino, das seine Konventionalität allerdings nicht verbergen kann.

+++-- Public Enemy No.1 - Todestrieb F 2008, 133 Min., ab 16 J., R: Jean-François Richet, D: Vincent Cassel, Ludivine Sagnier, Mathieu Amalric, täglich im Cinemaxx; www.senator.de/Preview/Filme/Public-Enemy-No.-1-Todestrieb.php

 

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