"Simons Geheimnis" wird erst am Schluss gelöst
Ein geheimnisvoll verschachteltes Mosaik
Highschool-Student Simon (Devon Bostick) soll auf Geheiß seiner Französischlehrerin Sabine (Arsinée Khanjian) einen Zeitungsartikel übersetzen.
Simon (Devon Bostick) spinnt provokativ eine Geschichte weiter, die
er in einem Zeitungsartikel gelesen hat.
Foto: x-verleih
Darin geht es um eine schwangere Frau, die vor dem Abflug nach Israel von Sicherheitskräften zurückgehalten wird. Der Grund: In ihrem Gepäck befindet sich eine Bombe. Ihr Mann, ein Jordanier, hat sie dort versteckt und wissentlich den Tod von Ehefrau und ungeborenem Kind in Kauf genommen. Simon spinnt die Geschichte weiter, indem er Mann und Frau als seine Eltern ausgibt. Plötzlich müssen Simons Klassenkameraden glauben, dass sein Vater ein Terrorist war, im Nu wird der Schulaufsatz im Internet heftig diskutiert. Sehr zum Unwillen von Simons Onkel Tom (Scott Speedman aus "Underworld"), bei dem Simon nach dem Unfalltod seiner Eltern aufwuchs. Damit nicht genug: Eines Abends steht eine geheimnisvolle Libanesin mit verhüllendem Gesichtsschmuck vor Toms Tür.
Der neue Film des kanadischen Regisseurs und Drehbuchautors Atom Egoyan, beim letzten Hamburger Filmfest mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet, ist ein geheimnisvoll und intelligent verschachteltes Mosaik, in dem sich verschiedene Zeitebenen und Erzählperspektiven überlagern und ergänzen. Bewundernswert, wie Egoyan einmal mehr, nach "Family Viewing", "Exotica" und "Das süße Jenseits", ein Familiengeheimnis auffächert und erst allmählich die Wahrheit, das eigentliche Thema des Films, enthüllt. Was wahr ist oder falsch, hängt auch immer von der Einbildungskraft und dem Glauben des Erzählenden, aber auch des Zuhörenden, ab. Daneben geht es auch um islamistischen Terror, Fremdenhass, Toleranz und die Oberflächlichkeit moderner Kommunikation, die sich in wackligen Bildern aus dem Internet und auf Handys manifestiert.
Begonnen hatte der Film aber mit elegant gleitenden, erlesenen Bildern einer schönen jungen Frau (Rachel Blanchard), die an einem einsamen, idyllisch gelegenen See Violine spielt. Lange Zeit will sich die Bedeutung dieser Szene nicht erschließen. Doch dann wird klar: Die junge Frau ist Teil des Mosaiks, das sich erst am Schluss zusammensetzen wird.
++++- Simons Geheimnis Kanada 2008, 101 Min., ab 12 J., R: Atom Egoyan, D: Devon Bostick, Arsinée Khanjian, Scott Speedman, Rachel Blanchard, täglich imAbaton (auch OmU), Zeise; www.simonsgeheimnis.x-verleih.de/




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