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Essen & Trinken

Restaurant-Tipp

Italiens Flair in Klein-Portugal

Das "Nello" nahe den Landungsbrücken: Gute Küche aus Kalabrien und sehr anständige Weine

Die Kalabresen sind schon immer die Schärfsten und Hungrigsten gewesen, ihre Region ist die Stiefelspitze der italienischen Landkarte: Dort frühstücken die Leute mehr als einen Kaffee und ein Stück Obst - die Redensart, wonach weniger oft mehr sei, kann kein Kalabrese begreifen. Er würzt seine Gerichte so konzentriert, weil die Tradition es verlangt, denn die Araber waren früher mal da, und die Gewürze halfen auch gegen die Malaria, die sich durch die Sumpfgebiete verbreitete. Antonello stammt aus Kalabrien, im Portugiesenviertel führt er schon länger die Trattoria Pastalozzi (ob Antonello genau weiß, was dieses Wortspiel mit Nudeln und dem Schweizer Pädagogen eigentlich bedeuten soll?).

Jeden Schweizer würde die Reinlichkeit im Nello beeindrucken: Ende letzten Jahres haben Antonello und seine Familie das zweite Lokal um die Ecke eröffnet, alles tipptopp mit Spiegel, Fernseher und Empore. Der Kellner Carlo war sofort mein Freund, weil er mein Flehen erhörte und die Schlagermusik leiser stellte. Antonello möchte sich beim Mittagstisch noch dem Geschmack der Deutschen anpassen, es gibt beispielsweise Farfalle mit Gemüse, eine Pizza Salami Peperoni, ein Schweineschnitzel mit Kapern, Oliven, Salzkartoffeln und Broccoli in Tomatensauce oder den Thunfisch vom Grill mit Bratkartoffeln und Kräutern (5,90 bis 7,90 Euro inklusive Suppe). Die Standardkarte bietet das Übliche, allerdings auf überdurchschnittlichem Niveau, etwa Vitello Tonnato (11,90 Euro), Lasagne (8,90 Euro), Zander oder Lachs mit Beilagen (jeweils 15,90 Euro) - kommen wir nun zu den Attraktionen.

Von der Tageskarte probierte ich zuerst eine Avocadosuppe mit Krabben (5,90 Euro) und die Gänseleber auf jungem Spinat (10,90 Euro), ja, jetzt ging es nach Süden. Da Kalabrien fast 800 Kilometer Küste hat und auch Hamburg am Wasser liegt, war zu erwarten, dass der Koch sich den Fischen und anderen Meeresviechern zuwendet: Überragend die Kalamari gefüllt mit Spinat, Risotto und Pinienkernen in einer Safransauce (14,90 Euro). Ebenso zu empfehlen der Fischtatar mit einem Hauch Koriander (es hätten auch zwei Hauche sein dürfen).Die Fagottini (Teigtäschchen) füllt der Koch mit Birne und Käse, dazu eine Sauce aus Cognac und Creme (elf Euro), die Scampi tragen einen Speckmantel und suhlen sich in karamellisiertem Balsamico (15,50 Euro). Wer sehr viel von diesen Krebsen ohne Mantel braucht, isst am Montag gar nichts, eilt dienstags ab 17 Uhr ins Nello und bestellt Scampi satt (15,90 Euro). Die Landtiere schmecken wegen ihrer Produktgüte, ihnen fehlt aber manchmal das besonders Kalabresische (ein Rib-Eye-Steak oder Lammkarree für 17,50/18,50 Euro).

Seine Weine wird Antonello demnächst um Klassiker aus seiner Heimat ergänzen, der Círo erfrischte immerhin schon die Olympiasieger der Antike. Momentan hat Antonello auch was Ordentliches aus anderen Gebieten wie Umbrien, Toskana und Piemont, die Flaschenpreise liegen zwischen 19,50 Euro für einen Weißen aus Sizilien und 65 Euro für einen Amarone, den Stolz der Venezianer.

Die Portugiesen unten am Hamburger Hafen müssen den Wandel der Zeit anerkennen, denn die ersten Leute sagen bereits: "Los, wir essen und trinken mal wieder im Kalabresenviertel!"


Nello täglich 12.00-23.30, Ditmar-Koel-Straße 26 (S/U Landungsbrücken), T. 32 84 69 59

 

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