Jetzt geht's um die Wurst
Edel-Imbiss Die Curry Pirates in Barmbek-Süd geben dem Klassiker neuen Geschmack
Auch die Mütter müssen jetzt umdenken, sie können ihren Kindern nicht mehr jeden Imbissladen verbieten, weil dort das Essen böse sei, die Kinder werden antworten: "Nein, Mama, lass uns zu Onkel Michael und Tante Monika gehen, da gibt's was Gesundes, eine Currywurst mit getrockneten Aprikosen drin!" Der Koch Michael Weißenbruch und seine Partnerin Monika Hamann sind die Currypiraten, der Gast kann darauf vertrauen, dass sie jede Wurst, Sauce und die Pommes frites selbst herstellen. Alles Natur, denn Weißenbruch hasst Chemie.
Früher führte er zuerst das Winterhuder A Table, später den Clasenhof in Ottensen, er französierte Hausmannskostklassiker, die Bratwurst war schon immer sein Freund. Dann plante und probierte er lange, bis das Konzept stand, nun betreibt er sein Kellerlokal im Barmbeker Komponistenviertel - ohne Lieferservice, das Volk soll kommen. Seit September essen die Stammgäste bei Weißenbruch, da es ihnen schmeckt und sie nebenbei die Wirtschaft antreiben, denn die Würste sind keine Sonderangebote: Die Königswurst (vorbestellen!) kostet 20 Euro, Weißenbruch macht sie aus Kalbsfilet, Gänseleber und Trüffel. Die Wurst der Woche ist diesmal ein Wink an die Südstaaten, in einer kreolischen Sauce liegt die Poulardenwurst mit Flusskrebsen (4,50 Euro).
So guckt Weißenbruch auf andere Länder, meditiert darüber und füllt und brät die Wurst nach seinem eigenen Stil - die German Ox mit Wasabi und Apfelwürfeln in einer Schnittlauch-Sauce (3,20 Euro), die Kräuterbratwurst der Italiener mit Tomatensenfsauce (2,80 Euro), die Lamm-Merguez aus Nordafrika/Frankreich mit Joghurtminzsauce (3 Euro); dazu passen stets ein Kartoffelsalat und die belgischen Pommes mit Majo. Noch nie fehlte es Weißenbruch an Selbstbewusstsein, deshalb sucht er auch Streit mit den Bayern und präsentiert seine Hamburger Weißwurst aus Kalbsfleisch mit Lachskaviar (5,30 Euro).
Weißenbruch hat sein Programm bereits um Parmesankrapfen und eine Suppe erweitert (Kartoffellauch mit Fleischklößchen, 4,20 Euro), im Regal stehen die Gläser mit Natursalzen, die Weißenbruch außer Haus und übers Internet verkauft: Ein Urmeersalz, beispielsweise, ist 60 Millionen Jahre alt, erfrischt aber immer noch und verstärkt den Eigengeschmack jedes Gerichts. Ab Februar möchte Weißenbruch sogar ein paar Weinflaschen hinstellen, es wird bei seinem Anspruch mindestens was Anständiges sein, noch trinken die Gäste ihre Fritz-Kola, ein Gerolsteiner Mineralwasser oder Jever (2 Euro die Flasche).
Die Wirtschaftskrise würde sich verziehen, wenn Deutschland mehr Gastronomen wie Weißenbruch mit so viel Talent, Mut und Eigensinn hätte. Wem übrigens selbst das Rezept für eine Bratwurst einfällt, darf sich gern an Weißenbruch wenden - er macht die Feinabstimmung, nimmt das Beste auf seine Speisekarte und benennt die Wurst nach seinem Erfinder.
Tatsächlich habe ich nun eine Rezeptidee: Wenn schon keine Frau meinen Namen trägt, dann doch immerhin eine Wurst.
Curry-Pirates Mo-Sa 12.00-22.00, Mozartstr. 23 (Bus 172/173, MetroBus 25), T. 28 78 06 61; Infos im Internet: www.curry-pirates.de



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




