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Essen & Trinken

Geschüttelt oder gerührt?

Neue Bar In der City ist der Löwe los: Die Bar Le Lion bietet Cocktails mit frischen Zutaten und auf höchstem Niveau. Snacks gibt's auch

Alkopops und Caipirinha sucht man hier vergeblich. Die Auswahl der neuen Bar Le Lion zielt auf ein Publikum, das Genuss liebt - jenseits von Supermarkt-Ware und schnellem Rausch. Das Konzept ist bislang einmalig in Hamburg: eine erstklassige, kuschelige Bar mitten in der Innenstadt mit etwa 30 Sitzplätzen und garantierter Öffnungszeit bis 3 Uhr. Allein die Weinkarte umfasst 100 gute Stöffchen - doch dazu später mehr.

Für den Besuch im Le Lion klingelt man wie in einem Club und wird dann persönlich vom diensthabenden Barkeeper begrüßt. Innen erwartet die Gäste eine warme, fast familiäre Atmosphäre. Alles ist auf dezent gedimmt: die Musik, die spärliche Beleuchtung vor geflockter Samttapete, die gemütlichen Sitzecken; eine imposante Getränkewand fehlt. In der Railway der Theke werden die Drinks wie auf einem Podium zusammengestellt, frische Eier aufgeschlagen und Bio-Früchte verarbeitet.

Inhaber Jörg Meyer hat sich mit Le Lion einen Lebenstraum verwirklicht. Schon im Atlas in Bahrenfeld war die Bar sein Terrain und wurde seine Leidenschaft. Der 32-Jährige und seine beiden Chefbarmixer Mario und Gonzalo blicken auf eine lange Erfahrung zurück. Das ist ihr Kapital, auch bei der geschmacklichen Beratung.

Für Einsteiger bietet sich der Hausdrink an: Le Coquetiez du Lion (9,50 Euro). Der Eierbecher des Löwen ist eine alte Komposition aus Lillet Blanc, Dry Gin, Bitter und dem Hauch einer frischen Limonenzeste. Für den Feinschliff kommt der Barkeeper an den Tisch und zieht die Limone über den Gläserrand oder gießt die letzte abrundende Komponente ins Glas. Dennoch bleibt die Ausführung puritanisch. "Das ist durchaus gewollt: keine Deko, die nicht dem Geschmack dient", erläutert Meyer. Auch auf der Karte sucht man Wodka-Mixturen wie Sex on the Beach vergeblich. Jörg Meyer verzieht schon bei dem Gedanken daran das Gesicht. "Das sind nur Promille-Träger im Glas, die machen allenfalls betrunken, sind aber nichts für den guten Geschmack."

Und wer will, kann dem Barkeeper das gesammelte Wissen abfragen. Gin Sour war unsere Entdeckung: Gin mit ein wenig Zitronensaft, eine Spur Schlehe dazu, und schon werden schöne Fruchtnoten hervorgehoben. Wer sich auf die alte Schule der Cocktails einlässt, kann eine neue Vielfalt von Herb- und Bitter-Tönen entdecken. Verfeinert wird übrigens mit frisch aufgeschlagenem Eiweiß, nicht mit Kunsteiweiß. Und zwischendurch schenkt der Barkeeper immer wieder kostenlos Wasser nach.

Eine Entdeckung sind die Champagner-Drinks. Beim Prince of Wales (15 Euro) werden Cognac, Benedictine und etwas Bitter in einen silbernen Becher mit Champagner und zerstoßenem Eis verrührt. Sehr erfrischend. Wer mehr auf süßere Töne setzt, kann den Ramos Gin Fizz (12 Euro) probieren. Der wird auf Wunsch auch mit weniger Eiweiß serviert. Das Orangenöl verleiht dem Drink sein fruchtiges Aroma. Die volle Ingwerladung verspricht der Longdrink London Buck (12 Euro). Gin, Limettensaft und Gingerbeer bilden einen kraftvollen Mix. Aber auch Weintrinker kommen nicht zu kurz: Gut bedient ist man mit dem offenen Weißen Vouvray Domaine Bourillon oder dem Rotwein Chateau Liversan von 2003 (jeweils 0,1 Liter, 6,50 Euro). Für Champagner-Freunde empfiehlt der Chef seinen Favoriten, den Pol Roger Rose (Flasche 150 Euro). Damit die guten Tropfen nicht gleich zu Kopf steigen, ordern wir etwas Fingerfood. Das Baguette mit getrüffeltem Schweinefilet (2,50 Euro) war köstlich, auch die diversen Oliven-Sorten (3 bis 4 Euro) sowie Sardellen- und Tintenfisch-Spieße (10,50 Euro).

Kurz: Dies ist ein gefährlicher Ort. Man vergisst die Zeit und kann herrlich versacken. Wundert es da, dass man sich besser anmeldet, um noch einen Platz zu sichern?


Bar Le Lion Mo-So 18.00-3.00, ggf. länger, Rathausstraße 3 (S/U Jungfernstieg, U Rathaus), T. 334 75 37 80; Infos im Internet unter www.lelion.net

 

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