Abendblatt-Tipp
Typisch deutsch: Hasselwander in Winterhude
Gutbürgerliche Küche, korrekz und nicht zu knapp bemessen: das Winterhuder Hasselwander
Eigentlich mag man das gar nicht verraten. Restaurants wie das "Hasselwander" in Winterhude könnten durch zu große Bekanntheit Schaden nehmen. Andererseits: Wenn ein Restaurant so kocht, darf man das verheimlichen?
Das Hasselwander ist ohne Schnickschnack, ohne "von – an – mit", Essen pur und satt. Das gediegen dunkle Interieur ist ein bisschen in die Jahre gekommen, so dass sich Schicki und Micki nicht hierher verirren. Auch die Karte ist ein Monument deutscher Esskultur – das Exotischste sind Weinbergschnecken in einer fabelhaften Knoblauchbutter (8,50 Euro) und Gambas ajillo, ebenfalls zupackend aromatisiert (22,50 Euro). Aus dem gutbürgerlichen Kochbuch stammen dagegen die kräftige Rinderkraftbrühe mit Mark oder Filetstreifen (5,25 Euro) oder Kartoffel- suppe mit Wurst und Croûtons (5,25 Euro).
Eine wunderbare Vorspeise für zwei – von der Roten Liste aussterbender Gerichte – ist das pikant angemachte Rindertatar, serviert mit Butter und Vollkornbrot (15,50 Euro). Zum Niederknien die Berliner Kalbsleber mit Zwiebeln und Apfelspalten (19,50 Euro), die Kindheitserinnerungen weckt. Und das Wiener Schnitzel ist keine schwindsüchtige In- terpretation der Trennschicht zwischen Panade oben und Panade unten (19,50 Euro).
Dann kommen die Steaks. Hier ist Herr Hassel- wander in seinem Element: Nicht umsonst stand er lange in der "Schlachterbörse" am Herd. Fleisch kann er perfekt, von Pfeffersteak bis Stroganoff, von Café de Paris bis Chateaubriand für zwei Personen (32,50 Euro pro Person).
Der Gipfel des Genusses ist nichts für den kleinen Hunger: das 600- Gramm- Ochsenkotelett, bestens gereift und nicht immer auf der Tageskarte. Makellos gebraten, außen schön gebräunt, innen gleichmäßig saftig rosa, aber nicht roh (32,75 Euro). Weil aber das beste Steak verloren wäre ohne die beste Bratkartoffel, gibt's die dazu: langsam in der Pfanne gebraten, kross, nicht durchfettet, mit Zwiebeln und Schinkenwürfeln – ein Gedicht. Der Salat dazu ruht unter Rahm.
Wer Fisch haben will, macht auch nichts falsch. Stinte und Maischollen werden saisonal geboten, Scholle, Seezunge, Steinbeißer und Pannfisch immer. Jetzt, in der Saison, lohnt vor allem der Blick auf die formidable Spargelkarte – ein Pfund bester Spargel mit Wiener Schnitzel und Salzkartoffeln für 24,50 Euro sind ein ehrlicher Genuss. Und der Gänsebraten vor Weihnachten wird schon jetzt sehnlich erwartet.
Desserts haben es schwer, denn Hasselwanders Portionen sind nicht zu knapp bemessen. Aber ein mit Rum flambierter Apfelpfannkuchen mit Vanille- eis (5,50 Euro) oder eine Rote Grütze mit Vanillesauce (5,50 Euro) lassen sich gut teilen.
Die Weine liegen bei 4,50 Euro für einen sauberen Badener Riesling (0,2) oder bei 29,50 Euro (Flasche) für einen kräftigen, gehaltvollen Chianti Classico Riserva Jahrgang 2007.
Restaurant Hasselwander , Barmbeker Str. 139, 22299 Hamburg, Tel. 48 97 67, Di–So ab 18 Uhr (Reservierung empfohlen), www.restaurant-hasselwander.de
Kurz-Biografie
Dieter Hasselwander, 67, ein Koch ohne große Worte, aber von verlässlichem Handwerk, stammt aus Hademarschen, sein Vater war Winzer in Edesheim in der Pfalz. Hasselwander kochte im damaligen Nobelrestaurant Rittscher an der Elbchaussee, in der "Insel" an der Alster und dann fünf Jahre im Fleischeslust-Tempel "Schlachterbörse" am Schlachthof, bevor er im Jahr 1988 in Winterhude sein eigenes Restaurant eröffnete.
STEAKBUTTER CAFE DE PARIS
Rezept von Dieter Hasselwander
Für 4 Personen:
250 g Butter
1 EL grüne Oliven
1⁄2 Knolle Knoblauch
1 TL Kapern
5 Anchovisfilets
Kräuter der Provence
2 TL gehackte glatte Petersilie
1 TL Cayennepfeffer
1 Prise weißer Pfeffer
Salz (nicht zu vergessen: die vier Steaks)
1 Die Butter mit einem Rührwerk ca.eine Stunde schaumig schlagen.
2 Mit einem Stabmixer alle Zutaten zerkleinern. Die Kräuter und Gewürze erst zum Schluss mit hineingeben, sonst wird die Mischung leicht bitter.
3 Mit der schaumigen Butter verrühren.
4 Steaks grillen, anschließend die Paris-Butter auf das gegrillte Fleisch geben und gratinieren.















