12.03.12

Abendblatt-Tipp

"Ristorante il Sole": Ab in die Sonne

Das "il Sole" in Nienstedten besticht durch wohliges Wohnzimmergefühl - und gehobener Kochkunst

Foto: Il Sole
Thilo Reiche, Chefin Marlis Monesi und Küchenchef Denis Miebach.
Thilo Reiche, Chefin Marlis Monesi und Küchenchef Denis Miebach.

Am Kap Hoorn lockt das italienische Bermuda-Dreieck. Alles klar? Warum Einheimische die Kreuzung Nienstedtener Straße/Rupertistraße ausgerechnet nach dem stürmischsten Winkel unseres Planeten benannt haben, bleibt ein Geheimnis. Der Bezug auf Italien indes ist unübersehbar: Eiscafé "Dante" (Mint und Mango sind Weltklasse!), ein paar Meter weiter der Feinkostladen "La Bottega del Sole" mit den genialen Antipasti – und vis-à-vis das Mutterschiff, das nicht nur in den Elb- vororten gerühmte Restaurant "il Sole" mit der erstklassigen Küche und der privaten Atmosphäre. Sagt man so. Auf also, zum unangemeldeten Besuch.

Die Holde, offensichtlich von Appetit beseelt, schwebt vorweg durch die doppelte Glastür. Im Nu sind Sprühregen und Böen am Kap Hoorn vergessen. Das Ristorante nimmt auf den ersten Blick für sich ein: Helle, freundliche, moderne Einrichtung und viele Kerzen bescheren ein wohliges Wohnzimmergefühl. Die Holde, wie immer einen Hauch aufmerksamer, registriert alle möglichen persönlichen Details, die das "il Sole" von der gewöhnlichen Einrichtung anderer Italiener abheben. Offensichtlich steigert der trockene, rubinrote Montepulciano aus den Abruzzen ihr Wohlbehagen zusätzlich. "Firlefanz ist hier ein Fremdwort", gurrt sie und schnüffelt verliebt am Vino. Kurz flammt Neid auf, ebbt jedoch ab, als die umsichtige, indes keineswegs servile Kellnerin einen Gruß aus der Küche serviert. Kommt gut an. Zügig folgen die Vorspeisen: ein vorzügliches Wolfsbarschtatar mit Auberginencreme und Schmortomaten für 11,50 Euro sowie eine Enten-Rotkohl-Consommé mit Rillet-Ravioli (10,50 Euro). Nicht nur die Holde schnalzt mit der Zunge. Man schmeckt quasi die langjährige Präsenz im "Guide Michelin". Küchenchef Denis Miebach versteht sein Handwerk. In diesen Tagen naht Verstärkung in Gestalt von Thilo Reiche aus Christian Rachs Tafelhaus.

Den Appetit beruhigt wie stimuliert, werden größere Aufgaben in Angriff genommen. Die Holde beglückt ihre Geschmacksnerven mit einem weiteren Schlückchen Rotwein und ordert kurzentschlossen aus der Karte: Ein Loup de mer vom Grill mit Blattsalat möge es sein. Zudem, bitteschön, eine Bio-Perlhuhnbrust mit Topinamburragout und Erbsenpüree von der Tafel. Um 20 Euro kosten diese Hauptgerichte.

Die Wartezeit wird durch einen Schnack mit der Patronin gewürzt. Marlis Monesi heißt die fröhliche Dame, die dem Namen ihres Restaurants alle Ehre macht. Kurz berichtet sie von ihrer Familie, die seit mehr als drei Jahrzehnten in den Elbvororten veran- kert ist. Erst mit den Spezialitätengeschäften "Lario" in Blankenese und Othmarschen, seit 2006 als Allein- inhaberin des "il Sole". Sie frohlockt von einem realisierten Traum, und das spürt man an jeder Ecke.

Somit überrascht es nicht, dass die weiteren Gerichte gleichfalls beeindrucken. Die Holde ist entzückt, greift zart die Hand des Gastgebers und spricht, wie so oft, ein wahres Wort: "Wir kommen wieder!"

Ristorante "il Sole" , Nienstedtener Straße 2 d, Di–Sa 18–22, So 12–21 Uhr, Tel. 82 31 03 30, www.il-sole.de

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Kurz-Biografie

Küchenchef Denis Miebach hat mit Chefin Marlis Monesi (53) den Nimbus des "il Sole" weiter genährt: Der 25-Jährige überzeugt durch gehobene Kochkunst – mit internationalen Einflüssen und italienischen Wurzeln. Miebach lernte im "Haus Säemann" in Wahlscheid. Vor seinem Wechsel nach Nienstedten wirkte er etwa im Park Hyatt in Sydney. Auch privat bevorzugt Miebach einfache, ehrliche Gerichte mit guten Produkten aus der Region.

CHICOREE-BIRNENSALAT MIT PANCETTA UND JACOBSMUSCHELN

Rezept von Denis Miebach

Für 4 Personen

Für 4 Personen:

2 Chicorées

2 Birnen

6 Scheiben Pancetta

100 g Gorgonzola

60 g Crème fraîche

40 ml Sahne

6 EL Apfelbalsamico

1 gr. Prise Salz

1 gr. Prise Zucker

20 g Butter

8 große Jacobsmuscheln (frisch vom Markt)

1 Pancetta auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und dann im Ofen bei 100 °C (Umluft) circa eine Stunde lang trocknen, bis er richtig schön knusprig ist.

2 Die beiden Chicorées jeweils halbieren und die Strünke entfernen. Die Blätter anschließend ein weiteres Mal längs halbieren und waschen.

3 Die Birnen in dünne Streifen schneiden und dann zusammen mit den Chicoréeblättern mit Apfel- balsamico, Salz und Zucker vermengen.

4 Den Gorgonzola bei geringer Hitze mit der Sahne schmelzen lassen und anschließend die Crème fraîche unterziehen.

5 Öl in der Pfanne erhitzen, die Jacobsmuscheln in die – wichtig! – heiße Bratpfanne geben und von beiden Seiten goldgelb anbraten. Kurz vor Ende noch ein Stück Butter mit in die Pfanne hineingeben und die Jacobsmuscheln darin wenden.

6 Jacobsmuscheln auf Sauce mit Salat anrichten.

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