Abendblatt-Tipp
Ristorante Luna: Einfach einfach italienisch
Im "Ristorante Luna" in der Neustadt kann man miterleben, was die Küche des Mezzogiorno so stark macht.
Seit einer ganzen Weile gibt es in München diese neue Sorte italienischer Restaurants – nennen wir sie ruhig Stylo-Italos. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie äußerlich eher an Design-Studios erinnern, mit viel Glas, Stahl und sündhaft teurem Holz im Innenraum, und auf den Tisch Gerichte bringen, die wie Hybride der guten alten Mezzogiorno-Pasta aussehen, auch so schmecken und dafür das Doppelte kosten.
Worauf es bei italienischer Küche eigentlich an- kommt, was sie so stark und global so erfolgreich macht, erfährt man besser in Hamburg und am bes- ten in der Wexstraße 31. Nina und Giuliano Nuzzo bewirten dort ihre Gäste seit einem Vierteljahrhundert. Das Interieur ist geschmackvoll, aber nicht gewollt modern: dunkles Siena-Rot an den Wänden, Fotos von Lollo und Loren im Gang zur Toilette, ansonsten herrscht italienische Schlichtheit vor. Das ist gut, es ist genau genommen das einzig Wahre, denn es passt zur Cucina all'italiana, die noch nie so elaboriert war wie die französische Cuisine und es auch nie sein wird. Das Geheimnis ihres Erfolges ist die expressive Schlichtheit. Oder etwas sloganhafter formuliert: italienisch einfach, einfach genial.
Bei Nina und Giuliano bedeutet das: eine Tomatensuppe, die ihren Namen verdient (4 Euro). Trüffel-Carpaccio vom Rind in frischen, kühlen Streifen, wie man sie feiner kaum schneiden kann (12 Euro). Gebratene Rinderfilets mit Rosmarin auf Rucola und Parmesan (12 Euro), sehr rund, sehr vollmundig.
Als Pasta empfiehlt es sich, die selbst gemachten Tagliolini oder Tagliatelle zu wählen, etwa mit einem formidablen Mix von Krustentieren (16,50 Euro), und als Hauptgang dann sollte man den Hirschrücken mit Barolo-Rosmarinsauce nicht versäumen, allein die Sauce hilft, das Wort "intensiv" ganz neu zu entdecken (19 Euro). Ähnliches gilt übrigens für die Kalbsleber in Salbeibutter (18 Euro). Auch das Tiramisu (5 Euro) oder die Pannacotta (4 Euro) zum Abschluss sind genau so, wie sie eben sein sollten.
Die Preise sind an sich schon moderat, mittags aber servieren die Eheleute (übrigens stets persönlich) eine gute Auswahl an Pasta, Pizza, Vitello Tonnato oder Scaloppine ab unglaublichen fünf Euro (als Menü mit Suppe ab sechs Euro), entsprechend voll geht es im Restaurant zu.
Zum Schönsten am "Luna" zählen die Weine. Natürlich hat Giuliano, sonst wäre er nicht Süditaliener, eine Schwäche für die "Rossi" aus der Region, weshalb er auch einen sehr guten offenen Primitivo (0,5 Liter à 7 Euro) sowie mehrere ausgezeichnete Salice Salentino anbietet. Zu fortgeschrittener Stunde kann es vorkommen, dass Signore Giuliano dann seinen Lieblings-Grappa verköstigt, da ist er Experte (und leidenschaftlicher Flacon-Sammler). Ich sage nur: Most von Bepe Tosolini, erste Pressung. "Auf der Zunge darf er nicht brennen, aber nach hinten raus muss was passieren", sagt Giuliano. Na, probieren Sie doch einfach mal selbst.
Ristorante Luna , Wexstr. 31, Tel. 35 44 71, Mo–Fr 12–14.30 u. 18–24, Sa 18–24 Uhr, www.ristoranteluna.de
Kurz-Biografie
Seit 1971 lebt Giuliano Nuzzo, 57, in Hamburg, doch es dauerte bis 1986, als der Koch seine Nina traf, sich in sie verliebte und neben der standesamtlichen auch eine Art gastronomsche Ehe mit ihr einging, die bis heute hält. Seit 25 Jahren betreiben der Italiener und die Hamburgerin Nina, 51, nun bereits das Ristorante Luna an der Wexstraße. 2005 übernahmen sie auch das Lokal nebenan, seither ist das "Luna" mit 85 Plätzen doppelt so groß.
SPAGHETTINI MIT KRUSTENTIEREN
Rezept von Guiliano Nuzzo
Für 4 Personen:
400 g Spaghettini
6 EL Olivenöl extra vergine
2 Knoblauchzehen
1 Chilischote
8 Gambas Größe 8/12 (mit Kopf, ohne Schale)
8 Gambas Größe 13/15 (mit Kopf, ohne Schale)
8 Salzwasser-Scampi Größe 8/12 (ohne Kopf und Schale)
16 Garnelen (ohne Kopf und Schale)
20 Kirschtomaten
50 g Petersilie
8 Blatt Basilikum
1 Zunächst Olivenöl erhitzen und Knoblauch sowie Chili hinzufügen, danach Gambas, Scampi und Garnelen zugeben und ca. eine Minute in der Pfanne anbraten.
2 Die Tomaten hälfteln und hinzufügen, kurz durchschwenken und mit Weißwein ablöschen. Nach Geschmack salzen und pfeffern. Ca. fünf Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen.
3 In der Zwischenzeit die Spaghettini in Salzwasser "al dente" kochen, abgießen, etwas Kochwasser dabei auffangen.
4 Die Spaghettini mit dem Restkochwasser in die Pfanne geben, durchschwenken und ca. eine Minute ruhen lassen. Dann Petersilie und Basilikum dazugeben.
5 Auf dem Teller anrichten, nach Geschmack mit Olivenöl beträufeln. Buon appetito!















