06.02.12

Abendblatt-Tipp

Klopstock: Hamburg, meine Scholle

Das "Klopstock" bringt gute alte Hausmannskost ins gediegene Eppendorf – und die besten Bratkartoffeln!

Foto: Michael Pohanke/Klopstock
Tradition verpflichtet: seit 1980 ein Zuhause für norddeutsche Küchenkost
Tradition verpflichtet: seit 1980 ein Zuhause für norddeutsche Küchenkost

Warum die einheimische Küche in Norddeutschland so ungleich weniger verbreitet ist als im Süden, wurde nach meinem Dafürhalten noch nie einleuchtend erklärt. Dass es so ist, steht außer Frage. In Hamburg scharen sich Restaurants mit regionalem Speisenangebot vor allem in den Touristenzentren der Innenstadt. Der Rest Hamburgs ist gastronomisch mehr oder weniger deutschfreie Zone. Dabei besteht auch unter Hanseaten durchaus rege Nachfrage nach Labskaus & Co., was sich eindrücklich im "Klopstock" zeigt.

Das Restaurant an der Eppendorfer Landstraße hat sich in gut drei Jahrzehnten zur Gastro-Institution nördlich der Alster gemausert. Schon ab Punkt zwölf sind alle Tische besetzt, ältere Herren nutzen den täglich wechselnden Mittagstisch, ab 13 Uhr dann die Geschäftsleute aus dem Viertel, am Wochenende kommen viele Familien, abends erscheint auch jüngeres Publikum. Touristen sieht man hier selten.

Michael Pohanke führt den Laden in zweiter Generation, seine Eltern hatten das Klopstock, benannt nach dem bekannten Hamburger Poeten und Freimaurer, 1980 eröffnet. Seither hat sich wenig getan, und das ist natürlich Absicht. Das urige Interieur, die dunkelbraune Decke, die gepolsterten Bänke mit ho- her Rückenlehne, alles wie gehabt. Nur die beiden hinteren Räume wurden jüngst etwas umgestaltet. Die drei Tische am großen Vorderfenster mit Park- blick sind jedoch nach wie vor am begehrtesten.

Das Menü bietet eine Extrakarte, die sich an der norddeutschen Saisonküche ausrichtet – Stint, Spargel, Scholle, Matjes, Grünkohl, Gans. Plus eine re- guläre Karte mit den Klassikern: Labskaus mit Spiegelei, Pannfisch in Senfsauce, Ewerscholle "Finkenwerder Art", Sauerfleisch mit Senfgurken, Kesselgulasch mit grünem Pfeffer (alle Gerichte 14 bis 15 Euro). Dazu werden ausnahmslos Bratkartoffeln serviert, knusprig-butterig, "das Markenzeichen unseres Hauses", so Pohanke. Es geht hier selbstredend nicht darum, kulinarischen Trends nachzueifern, sondern "gutbürgerliche Küche auf möglichst hohem Qualitätsniveau" zu bieten. Soll heißen: möglichst keine Experimente. Möglichst erstklassige Zutaten aus der Region. Und möglichst wie bei Muttern.

Besonders gut gelingt das zurzeit beim Grünkohl, der mit Kochwurst und Kasseler noch bis Ende Februar geboten wird (14,50 Euro) und sehr zart-aroma- tisch daherkommt. Ebenfalls fein: das hausgemachte Roastbeef mit Remouladensauce (14,90 Euro). Auch das Wiener Schnitzel mit Gurkensalat (14,90 Euro) sowie das Sauerfleisch sind zu Recht viel bestellt.

Dazu trinkt man im Klopstock in aller Regel Bier (Holsten, Duckstein vom Fass), Weinbestellungen sind eher die Ausnahme und die Vielfalt eher gering. Auch bei Vorspeisen und Nachtisch ist das Angebot überschaubar, die Kraftbrühe ist in der Tat erfreulich kräftig, die Hamburger Krabbensuppe dagegen eher lau. Und beim Nachtisch fällt die Wahl zwischen Roter Grütze, Vanilleeis und Kaiserschmarrn relativ schwer, zumal mit einer gehörigen Portion Bratkartoffeln im Magen. Der Kaiserschmarrn erweist sich als gute Wahl, doch die Einsicht bleibt: Der Norddeutsche schätzt vor allem die Hauptspeise. Die aber bekommt er im Klopstock so astrein und herkömmlich, wie er sie sich nur wünschen kann.

Klopstock , Eppendorfer Landstraße 165, Tel. 47 65 98, tgl. 12–24, Sa ab 17 Uhr, www.restaurant-klopstock.de

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Kurz-Biografie

Michael Pohanke ist wohl, was man einen "waschechten Hamburger Jung" nennt. Geboren in Blankenese, aufgewachsen in Othmarschen, zog er mit zwölf Jahren nach Eppendorf und seither nicht mehr weg. Nach diversen Stationen vor und hinter der Bar sowie einer kaufmännischen Ausbildung übernahm er vor 13 Jahren das Restaurant "Klopstock" am Haynspark, das seine Eltern 1980 eröffnet hatten. Der 45-Jährige, der privat der französischen Küche zugetan ist, betreibt seit 2010 erfolgreich auch "Die Pizzeria" im Nachbarhaus.

Labskaus

Rezept von Alma Pohanke

Für 6 Personen:

1 kg gepökelte Rinderbrust (oder selbst pökeln: Pökelsalz und Wasser im Verhältnis 1:20, Rinderbrust 3 Tage einlegen)

250 g Röstzwiebeln

1 große weiße Zwiebel

2 Lorbeerblätter

1 TL Piment

200 g Butter Steakpfeffer

250 g Kartoffelpüree- Pulver (ohne Milch)

Beilagen:

6 Eier

rote Bete

6 Salzgurken

6 Matjesfilets

1 Das Rindfleisch mit den Gemüsezwiebeln und den Röstzwiebeln sowie den Lorbeerblättern und dem Piment ca. 3 Stunden gar kochen.

2 Das Fleisch mit den Zwiebeln durch den Fleischwolf (große Scheibe) drehen und anschließend mit Butter aufkochen. Danach mit Steakpfeffer, Pfeffer und Salz abschmecken.

3 Mit ca. der Hälfte des Kartoffelpüree-Pulvers noch- mals aufkochen und zu einer cremigen Masse rühren, dann ca. 10 bis 15 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen, damit sich das Püree ganz auflöst.

4 Der Gabel-Test: Läuft das Labskaus durch die Gabel, so lange mit etwas Püree nachbinden, bis es auf der Gabel drauf bleibt!

5 Jeweils anrichten und servieren mit einem Spiegelei, aufgeschnittener Rote Bete, einer längs geschnittenen Salzgurke und einem Matjesfilet!

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