Abendblatt-Tipp
Lieblingsplatz: Fisch verliebt
Das Restaurant „Lieblingsplatz" in Seevetal: Wo die Forellen fast auf den Teller springen
Marketingfrau Christina Behrens und ihr Mann Adolf, Architekt, schufen einen Ort, der den Namen „Lieblingsplatz“ verdient.
Foto: Restaurant Lieblingsplatz
Draußen schnellen die Forellen, während wir auf der Terrasse sitzen und – ob des traumhaften Ambientes ebenso vergnügt wie die Fischlein im Teich – die Karte des Restaurants „Lieblingsplatz“ in Helmstorf bei Seevetal studieren. Vor uns erstreckt sich eine weite, baumumstandene Wiese, eine gewaltige Eiche spendet Schatten. Hier auf dem Lande darf es von allem etwas mehr sein. Mehr Raum, mehr Luft zum Atmen, mehr Herzlichkeit.
Der „Lieblingsplatz“ war bis vor zwei Jahren noch ein rustikaler Forellenhof mit Plastikmobiliar. Dann übernahmen die Marketingfrau Christina Behrens und ihr Mann Adolf, Architekt, das Lokal. Sie krempelten das Kleinod kräftig um. Und schufen einen Ort, der den Namen „Lieblingsplatz“ verdient.
Wir starten mit der Helmstorfer Fischsuppe (4,50 Euro), die fast wie eine thailändische Tom Ka Gai daherkommt, aber geschmacklich hält, was wir uns versprochen haben. Edelfisch und Gemüsestreifen: ein Gedicht, ebenso wie der Salat mit gebackenem Ziegenkäse und Feigensenf (9,50 Euro). Zu einem vorzüglichen offenen Riesling (5,20 Euro) – Villa Huesgen – kommt danach, herbeigezaubert von einer dezent-freundlichen Fachkraft, ein Garnelenspieß auf sommerlich leichten Feldsalaten mit Pinien- und Sonnenblumenkernen und fruchtiger Süße in der Vinaigrette. Für 12,50 Euro ein Hauptgericht, das jede Reise über die Elbe wert ist.
Das gilt erst recht für die Lachs-, Regenbogenforellen, die Karpfen und Saiblinge, die direkt vor der Terrasse gefangen werden und die von klassisch nach Art der Müllerin bis modern im Riesling-Rahm angeboten werden. Frischer geht’s nicht, besser kaum. Was aber mit jenen, die partout keinen Fisch essen? Die können Pfifferlinge mit Rührei und Bratkartoffeln bestellen (13,50 Euro). Saisonale Speisen werden hier besonders gern angeboten – wie auch regionale Spezialitäten. So kommen die Forellen aus dem eigenen Teich und die Kartoffeln vom Bauern nebenan.
Für die ganz jungen Gäste gibt es heute ein Kartoffelpuffer-Trio mit hausgemachtem Apfelmus (4,50 Euro) – auch dies eine wahre Freude für kleine Genie- ßer. Wir beschließen das Menü mit einem Weck- Gläschen Panna Cotta unter Himbeermark (4 Euro). Und lassen uns von Christina Behrens noch etwas über dieses außergewöhnliche Restaurant erzählen: Es gibt hier Barbecue-Abende mit Fisch wie Fleisch. Wenn sonntags keine Familienfeiern anstehen, serviert das Ehepaar einen Brunch, zu dem man sich besser schon Wochen im Voraus anmeldet. Und wenn Christina Behrens die richtigen Körbe gefunden hat, wird sie Picknicks auf der großen Wiese oder an ei- nem der Fischteiche anbieten.
Auf der Terrasse brennen jetzt Fackeln, die Forellen springen immer noch. Ein Fischreiher stolziert das Teichufer ab, ein Kormoran sticht zielgenau in den Teich – die einzigen Gäste, die hier nicht willkommen sind. Aber auch sie werden wiederkommen.
Lieblingsplatz, Moorstraße 41, 21218 Seevetal, Tel. 04105/67 66 966, Mi–Fr 12–22, Sa/So 10–22 Uhr (Brunch 10–13 Uhr), www.restaurant-lieblingsplatz.de
Kurz-Biografie
Seit 16 Jahren betreibt Christina Behrens, 40, eine Werbeagentur in Hittfeld. Als sie und ihr Ehemann Adolf, 30, ein Architekt, einen neuen Platz zum Wohnen suchten, fanden sie den Forellenhof – und wurden Pächter. Sie begannen sich mit den Fischen zu beschäftigen, ließen die Räucherei neu aufleben und konzipierten ein Restaurant. „Das Leben und die Arbeit hier sind meine Erfüllung“, sagt die Harburgerin, die mit ihrem Mann einen Sohn hat.
LACHSFORELLE IN RIESLING-Rahm
Rezept von Hans-Heinrich Albers
Für 6 Personen:
900 g Lachsforellenfilet
1⁄2 Gemüsezwiebel
1,5 kg Kartoffeln
1⁄2 l Riesling Mosel
1⁄4 l Sahne
1⁄2 Bund Dill
Saft einer 1⁄2 Zitrone
1 Messerspitze Anisgewürz
2 Stk. Zucchini
1 Stk. Lauch
2 Stk. Staudensellerie
2 Stk. Fenchel
2 Stk. Möhren
3⁄4 l Fischfond
2 EL Butter
2 EL Weizenmehl Typ 405
1 Lachsforelleparieren, entgräten, von der Haut ziehen und schräg vom Schwanzende an in Tranchen von ca. 50 g schneiden. Mit Salz und Zitronensaft würzen. Zwiebel in feine Würfel schneiden und in Butter in flachem Topf anschwitzen. Mit Riesling ablöschen, pro Person drei Tranchen Fisch darauf geben und bei schwacher Hitze und geschlossenem Deckel ca. 5 Min. garziehen, dabei den Fisch wenden.
2 Fischvelouté für 1 Liter: Butter im Topf zerlassen, das gesiebte Mehl einstreuen und bei mittlerer Hitze ca. 5 Min. anschwitzen. Mit dem Fischfond ablöschen und unter Rühren aufkochen. Mit Anisgewürz, Salz, Pfeffer und Sahne abschmecken.
3 Den Fisch auf einem Teller fächerförmig anrichten, den Sud mit der Velouté (0,5 l) angießen, einmal gut durchkochen und über den Fisch gießen.
4 Als Beilage: fein geschnittene, blanchierte, gebutterte Gemüsestreifen (Zucchini, Lauch, Sellerie, Fenchel, Möhren) und Petersilienkartoffeln.





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