Abendblatt-Tipp
Silo 16 im Harburger Hafen: Sixtinische Pizza
„Silo 16" im Harburger Hafen: klassische italienische Gerichte im extravagant umgebauten Getreidespeicher
Deckenbemalung im "Silo 16": Vincenzo Andronaco (r.) und Osvaldo Firelli im Silo 16 am Schellerdamm
Foto: Ingo Röhrbein
Zwei gläserne Türen öffnen sich durch die Hand der jungen Service-Kraft und wir staunen: Über uns in sechs Metern Höhe Deckenfresken wie in der Sixtinischen Kapelle, schiffshohe Fensterfronten über dem Wasser, rot leuchtende Wände und dazwischen Siloschächte, die wie gigantische Trichter in den Raum ragen. Das „Silo 16“ im aufstrebenden Harburger Hafen, das den bescheidenen Zusatz „Pizzabar“ im Namen trägt, empfängt seine Gäste mit einer Grandezza, die in Hamburg – und zwar in ganz Hamburg – ihresgleichen sucht.
Die Karte nimmt sich dagegen fast bescheiden aus. Auf zwei schlanken Seiten präsentiert Restaurant-Chef Osvaldo Ferilli, 50, sein Angebot: Piadinas und Pizzen, die entweder „Tradizionale Napoletana“ mit 300 Gramm saftigen Teiges oder klassisch knusprig dünn angeboten werden und feinste Zutaten tragen wie sautierte Muscheln, Scampi, Feigen, Scamorza oder Trüffel (14,90 – 19,90 Euro). Weiterhin Toskanischer Brotsalat (8,50 Euro), Jacobsmuscheln auf geschmorten Paprika, Rücken vom Iberico-Schwein mit Kartoffel-Steinpilz-Gratin oder Zackenbarsch auf Balsamico-Linsen. „Echt italienisch“, sagt Osvaldo Ferilli, „nicht das, was heute überall darunter verkauft wird, weil Nudeln drin und Käse drauf sind.“ Die Jacobsmuscheln (14,90 Euro) zergehen auf der Zunge. Dazu schmeckt der offene Luganer (6,60 Euro / 0,2 l). Auch der gratinierte Ziegenkäse mit dem geheimnisvollen Zusatz „von Kathrin“ und Thymian- Honig (13,50 Euro) ist ein wunderbarer Starter.
„In Apulien, wo ich aufgewachsen bin“, erzählt Osvaldo Ferilli, „haben wir zwei Mal am Tag gekocht und gegessen. Und zwar nicht nur ein Gericht, sondern mehrere. Ich bin mit frischen Zutaten, gutem Essen und Zeit für Genuss groß geworden.“ So ist nicht nur das Iberico-Schwein (17,80 Euro) ein Highlight, auch das an seiner Seite platzierte Kartoffel-Steinpilz-Gratin ist ein Erlebnis. Auch die Cannelloni mit Spinat-Ricotta-Füllung und Kirschtomatensauce (12,60 Euro) gereichen zur Freude. Und das, obwohl die vom uide Michelin mit einem Stern dekorierte Spitzenköchin Donatella Zampoli, die zwischen Elbe und Toskana pendelt, heute gar nicht da ist. Osvaldo Ferilli hatte die Ausnahmeköchin zunächst als Gast nach Harburg geladen, inzwischen ist sie regelmäßig im 150-Plätze-Restaurant am Hafenkanal.
Das Pizzenangebot hat sie nicht verändert – denn „die Pizza ist Fast-Food geworden“, sagt der Süd-Italiener Ferilli, „und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass sie wieder mit Genuss in Verbindung gebracht wird.“ Was zweifelsohne gelingt. Am Nebentisch wird das Modell Scampi verzehrt – und, während das Messer krachend den hauchdünnen Teig zertrennt, als Hamburgs beste Pizza gerühmt. 100 Plätze bietet die Terrasse des Silo 16, des Wetters wegen heute unbesetzt. Wie einige Tische auch, was aufgrund der Größe dieses schönen Stückchens Italien in Hamburg weder verwundert noch stört – steht einem Spontanbesuch doch nichts im Wege.
Kurz-Biographie
Osvaldo Ferilli, 50, ist eine Gastro-Größe der Stadt: Mit Anfang 20 kam er an die Elbe, in die „Osteria Martini“ (heute „Osteria Due“), wechselte als Personalchef ins „Il Ristorante“, wurde
Geschäftsführer des ersten euro-asiatischen Restaurants in Deutschland, dem „Ventana“, und führte elf Jahre das berühmte „Rive“ im Hafen, bevor er nach Harburg ging. Ferilli hat zwei
Töchter, sein Partner im „Silo 16“ ist der Großhändler Vincenzo Andronaco.
ZUPPA INGLESE
Rezept von Marc Grieger
Für 6 Personen:
500 ml Milch
40 g Butter
50 g Zucker
6 Eigelb
2 Vanilleschoten
50 g Mehl
75 g Zartbitter-Kuvertüre
Für den Bisquit-Boden:
6 Eigelb, 4 Eiweiß
80 g Zucker
70 g Mehl
20 g Stärke
20 ml Alchermes (roter italienischer Gewürzlikör)
1 Vanillecreme: 250 ml Milch, 20 g Butter, 25 g Zucker,
3 Eigelb und Mark einer Vanilleschote erwärmen.
Unter Rühren 25 g Mehl einsieben, vorsichtig aufkochen
und unter Rühren ca. 1 Min. köcheln lassen.
2 Schokoladencreme: gleiche Vorgehensweise wie bei
1 – allerdings zum Schluss die Zartbitter-Kuvertüre
in die Masse einschmelzen.
3 Bisquit-Boden: Mit Handmixer Eigelb und 20 g Zucker
schaumig schlagen. Mehl und Stärke vermengen
und vorsichtig durch ein Sieb in die Eimasse mischen.
Aus dem Eiweiss und dem restlichen Zucker Eischnee
schlagen und unter die Masse heben. Bisquitmasse
ca. 4 mm hoch auf ein Blech mit Backpapier verteilen
und im Backofen bei 160 Grad ca. 15 Min. ausbacken.
Nach Auskühlen den Boden mit Alchermes tränken.
4 In Auflaufform (ca. 20 ~ 30 cm) je drei Lagen
Bisquitboden, Schoko- und Vanillecreme schichten
(am besten über Nacht durchziehen lassen).
5 Vorm Servieren grosszügig mit Eischnee bedecken,
eventuell unterm Backofengrill kurz gratinieren.
Silo 16, Schellerdamm 16, Tel. 41 54 14 94, tägl. 12 – 24 Uhr (Küche bis 22.30 Uhr), www.silo16.com





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