Abendblatt-Tipp
Literaturhauscafe am Schwanenwik: Ein Gedicht
Wo man nicht nur gerne in der Speisekarte blättert: das altehrwürdige "Literaturhauscafé" am Schwanenwik.
Was wäre Literatur ohne inspirierendes Ambiente für große Gedanken, ohne Frühstück zu fast jeder Tageszeit und ohne Genüsse, die zum Weiterschreiben und Weiterlesen animieren? Im Literaturhauscafé ist all das glücklich vereint. Herzstück ist der schön restaurierte große, helle Saal im Hochparterre mit seinen hohen Fenstern ins Grüne, der 1889 nach hinten in den Garten hinein angebaut wurde und schon optisch das Gemüt weitet. Ein wunderbarer Raum zum Sehen und Gesehenwerden – nicht umsonst finden hier abends bei Lesungen die Autoren ihre Bühne.
Sonst aber bleiben er und die vier Repräsentationsräume der Beletage im ersten Stock der Küchen-Poesie von Dennis Henkes vorbehalten. Das Frühstück ist von 4,50 Euro an mit vielen Köstlichkeiten beliebig zu erweitern und wird bis 18 Uhr serviert. Da- neben regiert mediterrane Leichtigkeit auf einer angenehm übersichtlichen Karte, die auch österreichische Klassiker anbietet. Um gleich dabei zu bleiben: Das Wiener Schnitzel kommt auf den Tisch mit warmem Kartoffel-Gurken-Salat, Zitrone und Sardellenfilet (16,90 Euro). Für acht Euro mehr lässt es sich mit Kürbis-Orangensuppe mit Kernöl und Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster und Vanilleeis zum österreichischen Menü erweitern.
Der größere Auftritt mit vier Gängen ist genau richtig für einen warmen Spätsommerabend: Nach der klaren Steinpilzconsommé mit Raviolini folgt ein Meeresfrüchte-Risotto mit Fenchel und Tomaten.
Die Garnelen wären, etwas später hinzugefügt, zarter geblieben. Dafür ließ das gebratene Rinderfilet-Medaillon mit einem großartig reduzierten Madeirajus und Gemüse mit Thymian keinen Wunsch offen. Für Süßmäuler ist Sanddornmousse auf Cassis- Sauce vorgesehen, aber auch ein Apfelstrudel mit Vanille- sauce lockt. Die Käse-Fraktion wird mit Rohmilch- Produkten des Großimporteurs Philippe Olivier bedient, wobei man sich in der Auswahl durchaus noch eine mutigere Bandbreite vorstellen kann. Gesamtpreis für das Menü: 42,10 Euro.
Für den kleinen Hunger sind diverse Salate erhältlich, zum Beispiel der Ligurische mit frischen Gemüsen sowie Oliven, Kapern und Schafskäse. Die Weinkarte lädt ein mit guten Standards zu moderaten Preisen, offen um die 5 Euro (0,2 l), die Flaschen überwiegend zwischen 25 und 30 Euro.
Die Literaturhauscafé-Küche liefert solide Kost, Gerichte, auf die man sich freut und die alle Erwartungen erfüllen – die aber auch den handfesten Rahmen bieten für alle, die ihre Fantasie und Aufmerksamkeit auf die geistige Nahrung im Literaturhaus und die Gespräche danach konzentrieren wollen.
Die Autoren, Newcomer und Nobelpreisträger, soviel sei noch verraten, stärken sich meistens vor ihrem Auftritt, und zwar oben, im ersten Stock. Wobei der hübsche Balkon zur Alster hin Rauchern übermäßiges Treppensteigen erspart.
Literaturhauscafé, Schwanenwik 38 , Mo–Fr 9–24, Sa/So 10–24, Küche bis 22 Uhr (bei Veranstaltungen auch länger), Tel. 220 13 00, www.literaturhauscafe.de
Kurz-Biografie
Dennis Henkes, 39, ist seit fünf Jahren Küchenchef des Literaturhauscafés. Nach einer Koch- und Kellnerlehre im Intercontinental Stuttgart sammelte der Saarländer in London, Kapstadt, Johannesburg, Sydney und Phuket Erfahrungen, die er nun an der Alster umsetzt: "kreativ mit internationalen Einflüssen" nennt er seinen Stil. Der Vater einer sechs Monate alten Tochter empfiehlt für schlaflose Nächte Frank Schätzings neuen Thriller "Limit".
JAKOBSMUSCHELN AUF KÜRBISPÜREE
Rezept von Dennis Henkes
Für 4 Personen:
1 Hokkaido-Kürbis, ca. 1 kg
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
4 Zweige Thymian
4 EL Butter
80 ml trockener Weißwein, Prosecco oder Gemüsebrühe
50 ml Balsamessig
1 TL Zucker
4 ausgelöste Jakobsmuscheln, nur das weiße Fleisch
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl zum Beträufeln
1 Den Kürbis von den Kernen samt dem faserigen Fruchtfleisch befreien, schälen und in kleine Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Den Thymian waschen, trockenschütteln und zupfen. Zwiebel, Knoblauch und Thymian in 1 EL Butter bei mittlerer Hitze andünsten, Kürbis dazugeben und kurz mitgaren, dann mit Wein, Prosecco oder Gemüsebrühe aufgießen. Zugedeckt bei schwacher Hitze in etwa 15 Min. weich garen.
2 Den Essig mit dem Zucker im kleinen Topf bei starker Hitze bis auf die Hälfte einkochen lassen.
3 Die Jakobsmuscheln leicht salzen und pfeffern. Den Kürbis mit der Flüssigkeit fein pürieren, die Hälfte der übrigen Butter unterschlagen, salzen, pfeffern.
4 Jakobsmuscheln von allen Seiten anbraten und kurz ziehen lassen, gern in der Mitte glasig lassen.
5 Kürbispüree auf einem großen Teller anrichten, darauf die – ggf. halbierten – Jakobsmuscheln setzen. Mit dem reduzierten Balsamico und Olivenöl beträufeln. Etwas Thymian zupfen und darüberstreuen.















