Restaurant-Tipp
Raffiniertes aus der Toskana
In Dirk Blocks Brunello hat nicht nur das Fleisch Qualität, auch die Weinkarte hat mehr zu bieten als in sonstigen Trattorien.
Foto: Malzkorn
Auch das gehört hier zum Service: Wer daheim die Brille vergessen hat, erhält von den Kellnern erst mal einen Ersatz, so kann der Gast dann die Speisekarte lesen, vielleicht noch eine Zeitung, aber es ginge nicht, sagen wir, eine Schrift des Philosophen Heidegger über die Sprache als Haus des Seins zu studieren, denn in diesem Haus am Poppenbüttler S-Bahnhof ist Trubel. Kein Ort der Besinnung, das entspricht ganz einer Trattoria, und Dirk Block hat während seiner Reisen durch die Toskana viele dieser Lokale besucht und erforscht und ihren Charakter bis ins Einzelne nach Hamburg übertragen. Blocks Vater verkauft seine Steaks bereits seit 40 Jahren, die Block Houses laufen hervorragend mit Dirk als Direktor, sein Brunello wurde ebenso ein Erfolg - das machen die Disziplin und Solidität des Hanseaten sowie die Fantasie und das Temperament des italienischen Personals.
Beim Namen für die Trattoria überlegte Block nur kurz und wählte einen Wein, jedoch nicht den Chianti, denn davon gibt's genug Billigzeug, während der Brunello aus dem Städtchen Montalcino in der Südtoskana zu den Edelroten zählt - ein Glas 0,1 Liter kostet schon 8,50 Euro, der Höchstpreis für eine Flasche liegt bei 95 Euro, mir reichte der Turlò aus Umbrien (21,50 Euro).Die Weinkarte hat, von den Brunellos abgesehen, auch aus anderen Regionen einiges mehr zu bieten als sonstige Trattorien. Den Gästen ist beim Betreten des Lokals sofort anzusehen, wie sie sich freuen, wieder hier zu sein; ausfallen könnte gern die Stereoanlage, aber zu betonen, dass die Musik bei jedem Hamburger Italiener stört, das hieße ja, offene Türen nach Athen tragen.
Die Köche würzen kühn und überraschen das Publikum, indem sie auch mal etwas Abseitiges versuchen - den Speckmantel trägt hier der Ziegenkäse aus dem Ofen, dazu karamellisierte Birne (6,90 Euro), nach Omas Art sind die Scampi auf Berglinsengemüse zubereitet (10,90 Euro), in der klaren Gemüsesuppe mit Petersilie schwimmen Streifen von Pfannkuchen, und der Flusskrebsrisotto hat sich verstärkt mit Minze, Zucchini und Zitrone (7,40 Euro). Das Fleisch: selbstverständlich Block-House-Qualität, etwa der Kalbsrücken und das Rinderfilet, die Schweinemedaillons und die Kalbsleber, die ein bisschen viel Butter abbekommen hatte (mit Beilagen 16,70 bis 20,50 Euro).
Mein Lieblingsfisch war zuletzt der Zackenbarsch mit Fenchel (18,50 Euro), von den Nudelgerichten wirken nach die Fagottini mit einer Steinpilzfüllung in Walnuss-Sauce (9,50) und die Tagliatelle mit Landwurst und Rucola (9,80 Euro).
Heidegger würde raunen: Dieser Italiener ist der Hirt allen Poppenbüttler Seins.
Brunello täglich 12.00-24.00, Stormarnplatz 8 (S Poppenbüttel), T. 61 18 77 53; Internet: www.trattoria-brunello.de





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