Captain Planet: "Inselwissen"
Punkige „Miniaturwurzelwerke"
Das zweite Album "Inselwissen" von Captain Planet aus Hamburg ist eine gute halbe Sternstunde des Deutschpunk.
„Es hat dich befreit, Dinge aufzugeben“. Nach einem Intro aus pumpendem Basslauf, akzentuierter Gitarre und konkret scheppernden Drums setzt Captain Planet Sänger Arne von Twistern mit diesen Zeilen ein. Schon der erste Satz greift nach der Essenz des neuen Albums „Inselwissen“. Auf ihrem zweiten Album thematisiert die Hamburger Punkband das Durcheinander der inneren Veränderung, das Beenden der Uni, das ewige Kämpfen zwischen Idealen, Wünschen und dem inneren Schweinehund. „Genau das ist es“ lacht Gitarrist Benjamin Sturm, „unsere Platte ist über kämpfende Menschen“.
Dieser Kampf ist auch musikalisch spürbar. Von Twisterns Gesang überschlägt sich im Wettstreit mit den treibenden Gitarren und so werden die Stücke auf „Inselwissen“ wieder zu euphorischen Hymnen. Als das Debutalbum „Wasser kommt, Wasser geht“ 2007 erscheint, spricht man von einer „guten halben Sternstunde des Deutschpunk“.
Elf Songs in knapp 30 Minuten, alle auf den Punkt und ohne Ende treibend. An diesem Rahmen hat sich auch auf der zweiten Platte nichts geändert und doch malen Captain Planet auf „Inselwissen“ ein anderes Bild mit ihren Liedern: In sich geschlossener wirken die Stücke, etwas dunkler die Innensicht, die Melodien facettenreicher und größer. Songs wie „Hans Dampf, „Blattsport“ oder „Miniaturwurzelwerke“ können in jeder Radio-Playlist bestehen, „Walbaby“ und „Blick durch den Lattenrost“ hingegen überzeugen durch den Kunstgriff, die enorme Energie, die in den Liedern steckt zu kontrollieren und im Zuhörer selbst ausbrechen zu lassen. „Inselwissen“ ist das Album um in der Kälte durch den Park zu rennen, mit Vollgas auf dem Fahrrad nach Hause zu rasen und um Dinge aufzugeben und etwas Neues zu beginnen. (ditt)
Captain Planet: "Inselwissen" (Unterm Durchschnitt); Internet: www.captain-pla.net
Wertung: hörenswert





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