Sonntag, 27. Mai 2012, 08:18

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Bühne

Kritik

Chansons und Zoten, Amouren und Männer

Georgette Dee singt im Tivoli „Schöne Lieder" und schwelgt in Erinnerungen an verflossene Liebhaber. Tosender Jubel ist der Lohn des Publikums

Sängerin Georgette Dee
Foto: picture-alliance

Hamburg. „Wenn Künstler alt werden, hat das Publikum immer Vergnügen.“ Den Spruch löst die schlagfertige Diseuse bei ihrem musikalischen Rückblick auf vergangene Affären und ihren persönlichen „Katastrophen-Sommer“ voll ein. Sie entschloss sich, doch nicht zu sterben. „Zwei Tage nach Amy Winehouse, da wäre ich mit meiner Frisur nicht gegen angekommen.“ Dee wirft kokett die lichte Haargloriole in den Nacken. „Ich dachte immer, die Hoffnung stirbt zuletzt. Irrtum. Die Eitelkeit lebt noch länger.“ Die raukehlige Diva, verzichtet nun auf das theatralisch effektvolle Zigaretten-Gepaffe. Doch nicht auf den Gurgel geschmeidigenden Wodka – auch weil „das Getränk“ von einem hübschen Kellnerkerlchen serviert wird und sie von Glas zu Glas mehr frivol in Schwung kommt.

Amouren und Männer sind Dees Lieblingsthema. Inbrünstig und doch mit spöttischer Distanz besingt sie die Liebestorheiten in allen Konstellationen und Tonlagen. Sie greift mit zuckenden Händen in den Schatz ihrer reichen Erfahrung und Liedersammlung, bringt das Publikum mit den Chanson-Favoriten zum Jubeln. Und mit anzüglichen Anekdoten und gnadenlos grausamen Selbstbetrachtungen zum Lachen. Dees Geheimnis ist: Frau wie Mann fühlen sich von ihr verstanden.

„Ein Mann, der als Frau auftritt. Also gehaltvoll“, informierte kurz und bündig ein weiblicher Dee-Fan einen neugierigen Gast. Sie brachte Georgettes Konzept zwischen Chanson-Kunst und zotigem Kabarett auf den Punkt. Dee hätte sofort einen Witz darüber gemacht: Männer denken doch nur ans Gehalt und sind ansonsten meist voll. Als sie schnapsbefeuert doch kontrolliert ihre persönliche Nationalhymne von Marlene („Ich bin von Kopf bis Fuß“) intoniert, genauer deren Melodie und Worte heulend, krächzend und schreiend zitiert und zerfetzt – eine grelle (Selbst)Parodie – toben die Zuhörer begeistert im ausverkauften Saal.

Sie lassen die Sängerin und ihren Lieblingspianisten Terry Truck nur nach etlichen Zugaben ziehen. Es gibt auch noch ein wunderschönes Duett mit Truck und das nachdenklich stimmende Beethoven-Lied „Lisch aus, mein Licht“. Doch von Altersresignation ist bei der von Liebe und Schicksal gebeutelten Diva nichts zu spüren. Nur ein Hauch von Wehmut in der blitzenden Selbstironie.

Georgette Dee gibt ihr nächstes Konzert am 12. Juni 2012 in Schmidts Tivoli (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 24–28, der Kartenverkauf läuft unter T. 31 77 88 99, www.tivoli.de

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus