"Juller"

Theater thematisiert Ausgrenzung jüdischer Fußballer

Die Schauspieler Martin Klemm (l-r), Philipp Oehme und Sonia Abril Romero proben "Juller".

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Die Schauspieler Martin Klemm (l-r), Philipp Oehme und Sonia Abril Romero proben "Juller".

Fußball und Nazi-Diktatur gehören schon lange zu Themen des Theaters der jungen Welt in Leipzig. Nun bringt das älteste Kinder- und Jugendtheater Deutschlands in einem Stück von Jörg Menke-Peitzmeyer beides zusammen.

Leipzig. Zweimaliger deutscher Fußball-Meister, siebenmal in der deutschen Nationalmannschaft eingesetzt, in Auschwitz von den Nazis ermordet: Die Lebensgeschichte des Fußballers Julius "Juller" Hirsch bildet das Grundgerüst für das Stück "Juller", das im April im Theater der jungen Welt in Leipzig Premiere hat.

Hirschs Schicksal steht stellvertretend für die Ausgrenzung und Diskriminierung jüdischer Fußballspieler und anderer Sportler im Deutschland der NS-Zeit. Zugleich zeigen aktuelle Bezüge, dass Antisemitismus, Ausgrenzung und Gewalt auch heute noch in deutschen Fußballstadien anzutreffen sind. "Juller" soll von Oktober an auf Tournee gehen, der Auftakt ist in Dortmund vorgesehen.

Gefördert wird das Projekt von der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes. "Wir sind froh, dass mit dem Theaterstück nun noch mehr, vor allem junge Menschen, die Chance haben, über die Biografie von Julius Hirsch aus der Geschichte zu lernen", so der Stiftungsgeschäftsführer Olliver Tietz. Andreas Hirsch, Enkel des Fußballers, begleitet die Produktion den Angaben zufolge mit Sympathie. "Bei aller Ironie wird nichts beschönigt und die klare Haltung ist stets spürbar, um in der Gegenwart eindeutig Stellung gegen Rassismus zu beziehen", wird er in einer Mitteilung des Theaters zitiert.

In einem Grußwort schreibt der Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, das Stück fördere das Einfühlungsvermögen in die Person von Julius Hirsch. "Und genau diese Empathie bringt uns dazu, auch heute genau hinzuschauen und Diskriminierung nicht einfach stillschweigend hinzunehmen oder gar mitzumachen, sondern dagegen aufzustehen und sich einzusetzen für jene, die unsere Hilfe brauchen."

Hirsch wurde 1892 geboren und vermutlich 1943 in Auschwitz ermordet. Mit dem Karlsruher Fußballverein wurde er 1910 und mit der Spielvereinigung Fürth 1914 deutscher Meister.

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