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Bühne

Monsun Theater Hamburg

Starke Frauen gegen den Rest der Welt?

Abschlussschüler des Schauspiel-Studios Frese zeigten "Wenn Frauen Männer gegen Schuhe tauschen" - eine komisch-böse Begegnung.

"Wenn Frauen Männer gegen Schuhe tauschen": Die diesjährigen Absolventen des Schauspiel-Studios Frese überzeugten mit der Abschlussvorführung unter der Regie von Michael Müller.
Foto: Tanja Hirner

Hamburg. Alice Schwarzer, Ulrike Meinhof – und Pierre Carlet de Mariveaux, der französische Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert. Wie passt das denn zusammen?

Die diesjährigen Absolventen des Schauspiel-Studios Frese haben unter der Regie von Michael Müller mit ihrer Abschlussaufführung eben dieses gewagt: Die gesellschaftskritische Komödie „Die Kolonie“ mithilfe der Texte moderner Feministinnen in die heutige Zeit zu übersetzen. Die Geschichte bleibt bei ihrem Stück „Weil Frauen Männer gegen Schuhe tauschen“ gleich: Eine Kolonie von Geflüchteten lebt auf einer einsamen Insel, die Herren der Schöpfung machen Politik, die Frauen sehen hübsch aus, kaufen Schuhe und schmeißen den Haushalt. Bis eines Tages der Gedanke der Emanzipation geboren wird und alles verändert.

Was nach leichter Unterhaltung klingt, wird durch filigrane, authentische Charaktere zu einer tief greifenden Darbietung voller Philosophie, über die man auch später noch lange sinnieren kann. Und richtig: Lässt man den Blick durch das Publikum schweifen, ist im Schmunzeln der Zuschauer oft ein gewisses Wiedererkennen der Welt fernab der Bühne zu entdecken.

Kennt nicht jeder irgendwoher eine Frau wie die radikal-selbstbewusste Anführerin, die ihre bittere Enttäuschung von einem Mann auf die gesamte Männerwelt bezieht und durch ihr rigoroses Auftreten die Frauenbewegung der Insel ins Rollen bringt? Oder jemanden wie die äußerlich kontrollierte Intellektuelle, deren Gefühlsausbruch umso schockierender auf den Beobachter wirkt, weil man sie nur beherrscht und unnahbar kennt? Sie sind alle da: Die politische Mutter, die verträumte Romantikerin, die sexuell frustrierte Hausfrau, und ja, natürlich auch die auf Wolken schwebende Verliebte, die am Schluss durch die Stärke, die ihr der Zusammenhalt mit ihrem Geliebten verleiht, als Einzige erkennt: Wer das Gesamtbild sehen möchte, muss auch die einzelnen Puzzlesteine vereinen.

Auch wenn die Abschlussklasse 2011 gerade erst den Weg auf die Bühnen der Welt antritt: Sie sind bereit dafür. Selbst die Darsteller, denen man zunächst den Schattenplatz am Rande der Bühne zugeschrieben hat, treten plötzlich ins Licht und werden überraschend groß. Überragend besonders die Leistung von Markus Pendzialek, der sich trotz geballter Frauenpower eine Stimme auf der Bühne verschafft und dabei auch noch durch und durch natürlich rüberkommt.

Und spätestens, wenn einer der Nachwuchsschauspieler auf das Publikum zutritt und mit festem Augenkontakt den Monolog an den Einzelnen richtet, wird es schwer, zu ignorieren, dass den Zuschauern mit dem Stück frech und unverblümt ein Spiegel vorgehalten wird. Ein Spiegel, der jedem etwas anderes zeigt, und in dem doch jeder die Wahrheit sieht.

Zu Recht wurde das Ensemble bei der Premiere mit Standing Ovations, trommelnden Füßen und begeisterten Rufen in die Welt des Schauspiels entlassen. Und Alice Schwarzer? Die wäre - trotz des fiesen, selbst-ironischen Endes - ganz sicher Stolz gewesen.


"Wenn Frauen Männer gegen Schuhe tauschen"

Wiederaufnahme: 23. Bis 26. März

monsun theater, Hamburg

 

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