Wo Youngsters zu Young Stars werden
Young Star Fest auf Kampnagel
Vom 6. bis zum 20. Juni findet erstmals ein Festival der Künste von Jugendlichen für Jugendliche statt. Das Programm verspricht spannende Aufführungen.
Der russische Künstler Andrej Bartenev hat mit Langernhorner Schülern die Parade der Unsichtbaren in Szene gesetzt.
Foto: Kampnagel
Hamburg. Es ist 18 Uhr, draußen ist es kühl und windig, drinnen stickig und warm. Seit zwei Stunden proben die jungen Tänzer der Hip Hop Academy Hamburg auf Kampnagel. Viele von ihnen sind direkt von der Schule oder der Arbeit hergekommen, um mit dem Choreografen Samir Akika an ihrem Stück „660@k6“ zu basteln. Die Zeit ist knapp – am 17. Juni ist die erste Aufführung beim Young Star Fest auf Kampnagel, da muss alles sitzen. Jeder Schritt, jedes Wort, jeder Ton.
Künstler, Jugendliche, Organisatoren – alle sind aufgeregt, denn das Young Star Fest (6.6. bis 20.6.) findet zum ersten Mal statt. Ein internationales Festival der Künste von Jugendlichen für Jugendliche verspricht es zu werden, ganz wie beabsichtigt. Jedenfalls wird schwer daran geschuftet, dieses Versprechen einzuhalten. Hier arbeiten Autoren, Choreografen, bildende Künstler, Schauspieler und Regisseure mit Hamburger Schülern an Projekten, die den Jugendlichen eine Plattform für ihre eigenen Ideen bieten. Es entstehen Texte, Aufführungen, Musik- und Tanzperformances.
Ihr Stück - das ist „660@k6“ zu hundert Prozent. „Es geht um unsere Geschichten, Situationen, die wir erlebt haben“, sagt Emefa, die sich eine kurze Pause gönnt. Gleich wird sie Rihannas „Umbrella“ singen. Gerade tanzt die 11-jährige Melissa ein Breakdance-Solo, das so manchen erwachsenen Profitänzer vor Neid zergehen lassen würde, so ausgefeilt sind ihre Bewegungen..
Das, was in der Schule nicht zur Sprache kommt und auch sonst zu wenig Beachtung findet, soll im zweiwöchigen Young Star Fest im Mittelpunkt stehen. „Ich habe den Jugendlichen Fragen gestellt“, betont der algerisch- französische Tänzer Samir Akika, „Wovor hast du Angst? Worauf bist du stolz?“
So erzählt auch Miloo ihre Geschichte – wie sie nach Deutschland kam, ihrer Familie half, die Sprache zu lernen. Wie sie, als Iranerin, die beste Deutscharbeit schrieb. Plötzlich springt sie auf, die Musik setzt ein, ein Hip-Hop Electro Gemisch mit kräftigem Bass. Miloo fängt an zu tanzen, in den Gesichtern der Anderen respektvolles Staunen, die Füße wippen im Takt mit.
Die Hip Hop Academy Students machen ihrem Namen alle Ehre, jeder einzelne von ihnen ist voller Energie. Und hier werden sie mit dem, was sie können und zeigen, ernst genommen. Eva Stüting, künstlerische Leiterin des Young Star Fests, sagt: „Die Künstler sagen den Jugendlichen von Anfang an, ihr seid meine Partner. Das hebt sie auf Augenhöhe. Es sind wirklich alle mit Feuereifer dabei.“
Eine Halle weiter geht es nicht weniger energisch zu Gerade beklebt der russische Künstler Andrej Bartenev zusammen mit ein paar Achtklässlern ein Pappflugzeug mit buntem Tape. Ringsherum stehen, ebenfalls aus Pappe, ein menschengroßes, buntes Telefon, eine Haarbürste, eine Palme, eine überdimensionale Eiscreme: Kostüme für den großen, farbenfrohen Umzug, der am Sonnabend das Young Star Fest einleitet. „Als was wollt ihr euch verkleiden?,“ hat Andrej Bartenev am Anfang gefragt. Und ein „geht nicht“ als Antwort gab’s nicht. Also hat man jede einzelne Idee in die Tat umgesetzt.
Seit den Maiferien ist Endspurt. Es wird geprobt, gebastelt, getextet. Sascha Piroth hat drei Nächte „mit ganzem Herzblut“ an der Fassade seines "Traumlabors“ gemalt. Hier können Kinder und Jugendliche jeden Abend vor und nach den Vorstellungen ihren größten Wunsch äußern und diesen in einer Collage festhalten. Feridun Zaimoglu, deutsch-türkischer Autor, arbeitet seit November mit den Hamburger Schülern an einem Theaterprojekt namens „Ich schreib mich selbst“. Der Titel ist Programm. Die Jugendlichen werden zu frisch gebackenen Theaterautoren, deren Ideen ihren Weg auf die große Bühne finden. „Für beide Seiten ist es eine tolle Sache“, sagt Eva Stüting, „Die Künstler schätzen die unglaubliche Qualität der Jugendlichen, ihre unverstellten Ideen, ihre Leidenschaft und Energie. Bei den Jugendlichen hinterlässt die Produktion Spuren, die sie nie wieder verlieren.“
Um 20 Uhr, nach vier Stunden, beendet Samir Akika die Probe. Und bekommt von allen Seiten ein erschöpftes, aber fröhliches: „Bis morgen um vier!“, zu hören.
Young Star Fest Kampnagel, 6.6. bis 20.6., Programm: www.kampnagel.de





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