12.05.13

"ZDF-Morgenmagazin"

Manchmal haben Frauen ein bisschen Haue verdient

100 Prozent Frauenquote? Nein danke! Das "ZDF-Morgenmagazin" ist stolz darauf, am 13. Mai eine Sendung zu präsentieren, die nur von Frauen gemacht wird. Aber der Schuss geht nach hinten los.

Von Iris Alanyali
Foto: Svea Pietschmann

Nur Frauen. Und die wollen ganz alleine eine Ausgabe des „ZDF-Morgenmagazins“ hinkriegen. Wenn das mal gut geht!
Nur Frauen. Und die wollen ganz alleine eine Ausgabe des "ZDF-Morgenmagazins" hinkriegen. Wenn das mal gut geht!

Das Problem mit der Frauenquote ist nicht die Quote, es sind die Frauen. Es gibt einfach zu viele davon. Besonders im Fernsehen. "24 Milchkühe und kein Mann", klagt das Erste zur Primetime am 24. Mai, das ZDF droht am Tag zuvor mit "Molly und Mops", einer sicher hochfeministischen Komödie über kurvenreiche Tortenbäckerinnen und platte Hundenasen, und RTL2 pflegt sein Image verlässlich mit "Jungfrau sucht die große Liebe" (montags), "Teenie-Mütter"(mittwochs) oder "Frauentausch" (donnerstags).

Über so etwas darf man sich nicht aufregen, schon gar nicht als Frau, will man nicht in einer Reihe mit Claudia Roth, Alice Schwarzer oder Elke Heidenreich genannt werden.

Manchmal aber passieren im Frauenfernsehen Dinge, darüber kann und darf man als Frau nicht schweigen. Das "ZDF-Morgenmagazin" hat sich zum Thema Frauenquote nämlich etwas besonders Perfides ausgedacht: "100 Prozent Frauenquote".

Am Montag, den 13. Mai, von 5.30 Uhr bis 9 Uhr, also während die deutsche Frau ihrem Mann ein schmackhaftes Brötchen mit goldgelber Margarine bestreicht, oder ihren kleinen Rackern nachsichtig die Pausenbrote hinterherträgt, oder sich vielleicht sogar auf dem Weg ins Schreibbüro den hellroten Lippenstift nachzieht, wird "das Morgenmagazin nur von Frauen produziert". Da rutscht uns doch glatt die Kochschürze vom Nacken. Nicht wegen der Sendung, sondern wegen ihrer Ankündigung.

Können Frauen denn auch Schalter bedienen?

Während der Bundestag beim Thema Frauenquote auf die Bremse trete, heißt es da, wolle die Redaktion zeigen, "dass wir es alleine schaffen können." Und zwar "sowohl hinter als auch vor der Kamera". Wie bitte? Hinter der Kamera auch? Da, wo so viele Kabel im Weg herumliegen? Wo es so viele Knöpfe und Schalter gibt?

Es wird sogar noch waghalsiger: Wie es denn mit den Sportthemen aussehe, stellt sich das Morgenmagazin stellvertretend für bange Zuschauer die kritischste aller Fragen: "Wird nur über weiblichen Sport berichtet? Und lässt sich dieser Bereich überhaupt ohne die männlichen Kollegen abdecken?"

Außerdem wird in der Ankündigung noch verschmitzt erwähnt, dass die Redaktion sich den Termin unter anderem ausgesucht hätte, um ein kleines Zeichen zu setzen, so die stellvertretende Redaktionsleiterin Andrea Halte. Am Sonntag, als die Sendung vorbereitet werden musste, war schließlich Muttertag: "Das heißt, während andere Mütter sich von ihren Lieben verwöhnen lassen, arbeiten wir!"

Quotenkampf mit Klischees

Und wir sind sprachlos. Und wünschen uns, die Frauen vom Morgenmagazin hätten auch ihre Klappe gehalten, und einfach mal gemacht.

Wir leben nämlich nicht mehr im Jahre 1975, als der Politikwissenschaftler Erich Küchenhoff eine inzwischen berühmte Studie zur "Darstellung der Frau und der Behandlung von Frauenfragen im Fernsehen" veröffentlichte. Darin heißt es: "Männer handeln. Frauen kommen (auch) vor." Dieser Satz wird auch in späteren Studien besonderes gerne zitiert, damit man ihn mit dem beleidigten Hinweis versehen kann, dass sich daran nicht viel geändert habe.

Wir beweisen das Gegenteil, und fordern alle Zuschauerinnen zum Handeln auf: Hundertprozentiger Fernsehboykott. Am Besten solange, bis für Quote(n) nicht mehr mit Klischees gekämpft wird.

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