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Kultur & Live

Ausstellung im Martin-Gropius-Bau

Deutschland im Spiegel der Kunst

„Sechzig Jahre. Sechzig Werke. Kunst der Bundesrepublik Deutschland von '49 bis '09“ heißt die Schau, die am 1. Mai in Berlin eröffnet. Objekte von Jörg Immendorf, Markus Lüpertz, Hanne Darboven, Jonathan Meese und Daniel Richter reflektieren die deutsche Geschichte - und feiern die künstlerische Freiheit, die im Grundgesetz verankert ist.


Foto: AP

Berlin. Der Lichthof des Berliner Martin-Gropius-Baus ist als Ruhmeshalle gestaltet: Als Säulenheilige der Ausstellung "Sechzig Jahre. Sechzig Werke. Kunst der Bundesrepublik Deutschland von '49 bis '09" werden hier zwei jüngst gestorbene Künstler geehrt, die eine ganze Generation geprägt haben.

In der Mitte des Raums hat der Künstlerkollege und Freund Markus Lüpertz die ironischen Affen-Skulpturen von Jörg Immendorf vor Säulenpodesten arrangiert, im Umgang hängt die Konzeptarbeit "Ost West Demokratie" aus dem Jahr 1983 von Hanne Darboven. Die durchnummerierten Postkarten aus den Jahren 1949 bis 1983 werden von der amerikanischen und der sowjetischen Flagge flankiert.

Irritierend in diesem Umfeld wirken die Plakate von Klaus Staeck, die an den Stirnseiten der Halle hängen. Der heutige Präsident der Berliner Akademie der Künste hat seit den frühen 60er-Jahren Kunst und Politik der alten Bundesrepublik mit seinen Plakaten aufs Korn genommen und satirisch kommentiert. Im Katalog taucht Staeck jedoch nicht auf - ein Versehen?

Staeck werde hier als Plakatkünstler, nicht als Künstler ausgestellt, betont der Sprecher des hochkarätigen Kuratorenteams, Peter Iden: "Staeck hat alle großen Ausstellungen in Deutschland nach dem Krieg begleitet mit seinen Plakaten, das ist eine historische Sache, da kann man nicht dran vorbei, das muss man machen."

"Das muss man machen!", sagte auch "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, als Walter Smerling von der Stiftung Kunst und Kultur mit ihm die Idee zu dieser Leistungsschau entwickelte. Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland bezieht sich die Ausstellung dezidiert auf Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes, der die künstlerische Freiheit garantiert.

Enzyklopädisch dokumentiert die von hochkarätigen Kuratoren erarbeitete Ausstellung in rund 20 Räumen das bundesdeutsche Kunstschaffen nach dem Zweiten Weltkrieg. 60 künstlerische Positionen stehen für 60 Jahre Bundesrepublik, gezeigt werden jedoch insgesamt rund 140 Arbeiten.

Neben den deklarierten "Hauptwerken" hängen sogenannte "Assistenzwerke", um den größeren Kontext deutlich zu machen. Über die Kosten der Ausstellung schweigen sich die Veranstalter aus. Hauptsponsor ist der rheinische Energiekonzern RWE, Unterstützung kam auch von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), die "Bild"-Zeitung kam als Medienpartner hinzu.

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Bundesrepublik am Beispiel der ästhetischen Entwicklung: von Karl Hofer und Willi Baumeister über Polke, Beuys und Lüpertz bis zu Neo Rauch, Jonathan Meese und Daniel Richter. Damit feiert der Blick auf die Kunstentwicklung der letzten 60 Jahre vor allem die westdeutsche Szene, auch wenn aus dem Osten Deutschlands stammende Künstler darunter sind wie Georg Baselitz, der früh in die Bundesrepublik übergesiedelt ist. Der andere Teil Deutschlands kommt erst mit dem Jahr 1989 in den Blick, hier hängt als Hauptwerk Wolfgang Mattheuers Selbstzitat "Hinter den 7x7 Bergen" von 1993, in dem die Göttinnen der Freiheit ironisch an Luftballons zwischen Hochhäusern schweben.

Insofern entsteht beim Betrachter schnell der Eindruck einer Jubelfeier für die alte Bundesrepublik mit ihrem Kunstbetrieb, bei der kritische Geister nur am Rand vorkommen. So fehlt etwa ein Hans Haacke, der nicht nur mit seiner Arbeit "Der Bevölkerung" im Deutschen Bundestag für viele Diskussionen gesorgt hat.

Aber es fehlt vor allem der Blick auf die künstlerische Entwicklung im anderen Teil Deutschlands. "Es geht uns hier nicht um eine Quotenausstellung", entgegnet Kurator Walter Smerling auf die in Medien bereits laut gewordene Kritik. Man habe die vom Grundgesetz garantierte Freiheit der Kunst feiern wollen, in der DDR hätten andere Voraussetzungen andere Werke hervorgebracht.

Der Leiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien, Christoph Tannert, bedauert diese Festlegung: "Eine Vielzahl der Künstler, die vor allem in den 80er-Jahren unter schwierigsten Bedingungen gearbeitet und später aus Frust die DDR verlassen haben, wäre genauso wichtig gewesen für ein solches Konzept." So ist die Ausstellung vor allem ein Spiegelbild des westdeutschen Kunstbetriebs mit seinem rheinischen Zentrum.

Die Ausstellung "Sechzig Jahre. Sechzig Werke. Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland" ist vom 1. Mai bis 14. Juni im Berliner Martin-Gropius-Bau täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

 

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