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Kultur & Live

Franz Vitzthum eröffnet die Matineen von "Movimentos"

Countertenor auf Höhenflug

Nach dem Ballettprogramm von „Movimentos“ und dem Highlight der drei „Kraftwerk“-Konzerte hat jetzt in der Wolfsburger Autostadt auch die Kammermusik-Reihe der Matineen und Soireen begonnen – sie ist in diesem Jahr Georg Friedrich Händel, dem deutschen Weltstar aus Halle, gewidmet.

Wolfsburg. Das erste Konzert, so kenntnisreich wie launig moderiert von Jürgen Kesting, setzte ganz auf die Faszination einer ungewöhnlichen Stimme. Der junge Countertenor Franz Vitzthum, zwei Jahre nach Abschluss seines Studiums, sang Arien von Händel, seinen Gegnern und Gefährten. Er präsentierte eine sehr klare, extrem bewegliche und pathosferne Stimme, die ohne Druck und scheinbar mühelos sich in strahlende Höhen aufschwingt, die sonst Frauenstimmen vorbehalten sind und zu Händels Zeiten von den berühmten Kastraten besetzt waren.

Vitzthum und seine Musiker vom Alte-Musik-Ensemble Capricornus mit Theorbe, Cembalo und einem manchmal etwas intonationsgetrübten Cello nahmen ihr Publikum im "FreiRaum" der Autostadt mit in eine bewegte Epoche der Musikgeschichte, von deren Akteuren der heutige Musikhörer nicht mehr viele kennt: Mattheson, Strungk, Bononcini, Porpora, Purcell und Geminiani. Und in eine Welt großer Gefühle: Liebe, Schmachten, Enttäuschung; Nymphen sind unterwegs und Schäfer. Der Sänger holt all diese Emotionen in seine helle Stimme, man ahnt die verdrehten und verwirrten Gefühle in den wunderbar stilvoll ausgezierten Da-Capo-Teilen der großen Arien, artikuliert durchgängig mit vollkommener Textverständlichkeit. Man braucht kein Experte für dieses Stimmfach zu sein, um ihm eine große Karriere vorauszusagen. Und man dankt dieser entdeckungsfreudigen und zu Recht ausverkauften Reihe im "Movimentos"-Festival für die Chance zu solchen Erstbegegnungen.

 

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