Medien-Macher
Streit beim "Spiegel": G20-Gipfel-Protokoll unter Wert verkauft
Noch ist das Projekt so jung, dass es nicht einmal einen Arbeitstitel hat: Für die Hamburger Produktionsgesellschaft Cinecentrum basteln Redakteure...
Noch ist das Projekt so jung, dass es nicht einmal einen Arbeitstitel hat: Für die Hamburger Produktionsgesellschaft Cinecentrum basteln Redakteure des ARD-Talkmasters Reinhold Beckmann an einer Reiseserie mit seinem Kollegen Alfred Biolek.
Zuletzt hatte Biolek fast ausschließlich mit dem WDR und der Produktionsgesellschaft Pro GmbH zusammengearbeitet, die er gemeinsam mit dem TV-Produzenten Andreas Lichter führt. Die Cinecentrum-Mutter Studio Hamburg gehört aber dem NDR, für den die Serie wohl auch gedacht ist. Noch kann das Projekt scheitern. Einen Sendeplatz gibt es bisher nicht, dafür aber bereits konkrete Vorstellungen zur ersten Folge: Die soll den Sudetendeutschen Biolek (Jahrgang 1934) in seine alte Heimat Böhmen führen.
Miese Zeiten für den "Focus": Der Titel hat mit 683 000 verkauften Exemplaren im ersten Quartal 2009 erstmals seit 1995 wieder die Marke von 700 000 verkauften Heften unterschritten. Im ersten Quartal 2008 ließen sich noch 704 000 "Focus"-Exemplare absetzen. Noch schlechter sah es im Einzelverkauf aus, der um knapp 19 Prozent auf nicht ganz 132 000 Exemplare einbrach. Liegt es an den mauen Verkaufszahlen, dass Ende der Woche mal wieder über die Ablösung von "Focus"-Chef Helmut Markwort spekuliert wurde?
Auch bei den übrigen aktuellen Wochenmagazine gab es mehr oder weniger große Veränderungen: Die Auflage des "Stern" sank leicht von 981 000 auf 963 000 Exemplare. Und der "Spiegel" legte im Vergleich zum Vorjahr um 2000 Hefte auf 1,052 Millionen verkaufte Exemplare zu.
Apropos "Spiegel": Bei dem Hamburger Nachrichtenmagazin wurde diese Woche um das "London-Protokoll" gestritten, ein Stück über den G20-Gipfel. Nicht wenige Redakteure, unter ihnen auch Ressortleiter, meinten, es sei unter Wert verkauft worden.
Die Geschichte aus dem am vergangenen Montag erschienenen Heft liest sich wie viele "Spiegel"-Stücke dieser Art: Man hat den Eindruck, die Reporter des Blattes säßen unter dem Verhandlungstisch und protokollierten jedes Wort inklusive der Speisefolge in der Mittagspause ("Leberkäse und Gemüsestrudel"). In der Regel aber werden sie nur von Gewährsleuten informiert, die dabei waren. Bei dem G20-Stück war das anders: Den "Spiegel"-Reportern gelang es, in einem Raum, der Delegationsmitgliedern der beteiligten Staaten vorbehalten war, via Monitor die vertraulichen Gespräche zu verfolgen.
Ein Verlagssprecher, der sich ansonsten zu der Sache nicht äußern will, bestätigt das indirekt: "Alle Zitate und Dialoge sind authentisch." Ursprünglich sollte auf die Authentizität der Geschichte im Editorial des "Spiegel", der "Hausmitteilung", hingewiesen werden. Manche hielten das Stück, in dem man exklusiv erfahren konnte, dass Barack Obama vor anderen Gipfelteilnehmern für die USA die Verantwortung für die Weltwirtschaftskrise übernahm, gar für titelfähig. Doch die Chefredaktion lehnte beides ab. Warum, bleibt ihr Geheimnis.
Alexander Adler, seit August 2007 Unternehmenssprecher von Gruner + Jahr (G+J) und seit 2004 in dem Hamburger Verlagshaus, verlässt das Zeitschriftenhaus Mitte Juni. Er wird beim Druckkonzern Prinovis Leiter der Unternehmenskommunikation. Doch obwohl sich der neue G+J-Vorstandsvorsitzende Bernd Buchholz schon im Januar von Kommunikationschef Andreas Knaut trennte, bleibt die G+J-Abteilung Öffentlichkeitsarbeit nicht lange führungslos. Zum 1. Juli soll für Knaut ein - wie man hört branchenfremder - Nachfolger kommen.




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