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Kultur & Live

TV-Arztserien: Wenn Zuschauer zu Medizin-Profis werden

Sind Sie schon Ihr eigener House-Arzt?

Fernsehen rettet Leben. Wer regelmäßig Arztserien anschaut, leistet viel selbstbewusster Erste Hilfe als etwa Fußballgucker. Die können gerade mal einen Außenbandriss (Ruptur des Ligamentum talofibulare anterius) von einer veritablen Motivationszerrung unterscheiden.

Fernsehen rettet Leben. Wer regelmäßig Arztserien anschaut, leistet viel selbstbewusster Erste Hilfe als etwa Fußballgucker. Die können gerade mal einen Außenbandriss (Ruptur des Ligamentum talofibulare anterius) von einer veritablen Motivationszerrung unterscheiden.

Ja, die Fans von "Dr. House" und "Emergency Room" haben sich zu wahren Medizinprofis gemausert: allein durch stundenlangen TV-Blick auf Operationstische und durch das Anhören der Fachgespräche.

Per Fernbedienung und für nur wenige Euro GEZ- und Kabelgebühr haben sie sich zum Dr. h.c. weitergebildet. Eine britische Studie lieferte jetzt den letzten Beweis. Einer von fünf notorischen Zuschauern von Arztserien traut sich im Notfall eine Herzmassage zu. Das ist deutlich mehr als der Durchschnitt der zögerlichen Bevölkerung, lobt sogar das deutsche "Hausarzt-Patientenmagazin".

Klar, dass Männer (30 Prozent) eher zupacken als Frauen (20 Prozent). Mann traut sich was. Da ist der Weg nicht mehr weit vom Fernsehsessel an den Küchentisch, wo der eine oder andere sogar Muttis Atemnot am offenen Herzen behandeln oder Omi eine neue künstliche Hüfte implantieren würde. Das vor dem Flachbildschirm erworbene Fachwissen will richtig genutzt werden.

Zwar haben die seriengebildeten Schattenärzte keinen Schimmer, was bei Nasenbluten zu tun ist (60 Prozent). Doch wie man schnell intubiert oder minimal-invasiv durch die Schädeldecke bohrt, ist ihnen nicht verborgen geblieben.

Der Sänger Meat Loaf, der zu Unrecht als Amerikas Waffe gegen den Schlankheitswahn bezeichnet wird, bekommt jetzt bei "Dr. House" eine Gastrolle. Auch diese Personalentscheidung bringt den Serienliebhabern Selbstvertrauen. Sie dachten bislang, zum Fernsehen komme man nur unter 90 Kilo Körpermasse. Jetzt zeigt sich: Es geht auch ab 130 Kilo aufwärts.

Umgekehrt proportional zum medizinischen Selbstbewusstsein der Fernsehzuschauer verhält sich das der Ärzte mit Zulassung. So berichtete ein renommierter Hamburger Mediziner jüngst im kleinen Kreis von einem Kongress in London. Nur Koryphäen und Operateure allererster internationaler Reihe waren versammelt. Eine Frau kippte um, blieb liegen. Viele Augenblicke lang bewegte sich bei den Top-Doktoren nichts. Erst dann rief einer aus den hinteren Reihen: "Kann mal jemand einen Arzt holen?"

 

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