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Kultur & Live

Seit 2005 bemüht sich "Stiftung Johann Sebastian" um Rekonstruktion der Orgel

Johann Sebastian Bach könnte zufrieden sein

Zu Weihnachten wird das Rückpositiv der rekonstruierten Bach-Orgel in St. Katharinen erstmals offiziell erklingen.


Foto: ALWOGE

Hamburg. Behutsam zieht Andreas Fischer an mehreren hölzernen Griffen, die einzelne Register des Rückpositivs der Orgel zum Klingen bringen werden. Er hält einen Moment inne, dann spielt er das Weihnachtslied "Wie soll ich dich empfangen?" Und ein wunderbarer, warmer, glänzender Klang erfüllt den gewaltigen Innenraum der abendlich dunklen Hauptkirche St. Katharinen. So muss es 1720 geklungen haben, als Johann Sebastian Bach fast zwei Stunden lang vor Hamburger Honoratioren auf dem Instrument gespielt hat, das 1943 im Feuersturm zerstört wurde und jetzt nach und nach neu ersteht.

Wäre Bach heute damit zufrieden? "Aber ganz gewiss", sagt der Katharinen-Organist, "der Klang übertrifft alle Erwartungen. Bach könnte sich in seinem Urteil bestätigt fühlen." Damit bezieht Fischer sich auf eine historisch belegte Äußerung des späteren Thomaskantors, der "die Schönheit und Verschiedenheit des Klanges dieser Rohrwerke nicht genug rühmen konnte".

Seit 2005 bemüht sich die "Stiftung Johann Sebastian" um die Rekonstruktion dieser Orgel, die zu den klangschönsten und bedeutendsten Instrumenten des Barock gehört hat. Da wesentliche Teile der originalen Pfeifen zu Kriegsbeginn ausgebaut worden waren und daher erhalten geblieben sind, wird die Rekonstruktion dem Original sehr nahekommen. Der erste Bauabschnitt, der jetzt fast vollendet ist, umfasst den an der Empore platzierten Teil der Orgel. Da er sich hinter dem Rücken des Organisten befindet, wird er als Rückpositiv bezeichnet.

Damit lässt sich schon eine Menge anfangen, man kann nicht nur Choräle begleiten, sondern auch ein ganzes Repertoire von Orgelkompositionen spielen. Insgesamt wird das Rückpositiv über 13 Register verfügen, von denen neun bereits eingebaut und spielbar sind. 550 000 Euro hat das Projekt bis jetzt gekostet, es wird komplett aus Spenden finanziert. Zu den wichtigsten Spendern gehören die "Zeit"-Stiftung, die "G. u. L. Powalla Bunny's"-Stiftung und der Mäzen Ian Karan.

Erstmals offiziell ist die Orgel zu den Weihnachtsgottesdiensten zu hören. "Für Hamburger Orgelliebhaber wird das ein großartiges und wirklich weihnachtliches Klangerlebnis sein", verspricht Fischer. Doch im neuen Jahr verstummt das Instrument erst einmal wieder, damit die niederländische Firma Flentrop die restlichen vier Register einbauen kann. Die offizielle Einweihung des Rückpositivs wird wohl zu Ostern stattfinden. Danach ist die Orgel regelmäßig in den Gottesdiensten, aber auch zu Benefizkonzerten zu hören.

Für die nächsten Jahre sind zwei weitere Bauabschnitte geplant: das Hauptwerk (Kosten 1,1 Millionen Euro) und die beiden gewaltigen Pedaltürme, die den prächtigen Prospekt flankieren werden (750 000 Euro). Noch ist das "Zukunftsmusik", doch Andreas Fischer ist zuversichtlich, dass auch diese dank der Unterstützung von Spendern und Mäzenen schon bald erklingen kann.


Info: www.stiftung-johann-sebastian.de

 

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