Sachbuch: Petra Reski und ihr Ärger mit ehrenwerten Wirten
Das System Mafia: Warum der deutsche Rechtsstaat oft machtlos ist
Einen ersten Erfolg hat Petra Reski mit ihrem neuen Buch rasch erreicht: Diejenigen, die große Auftritte scheuen, sind aus dem Dunkel...
Hamburg/Venedig. Einen ersten Erfolg hat Petra Reski mit ihrem neuen Buch rasch erreicht: Diejenigen, die große Auftritte scheuen, sind aus dem Dunkel herausgetreten. Was im Sinne der Autorin ist, ihr aber einige Probleme bereitet. Denn Reski hat über die Aktivitäten der Mafia in Deutschland geschrieben. Zunächst gab es drei Anträge auf einstweilige Verfügung gegen ihr Buch, zwei Namen darin mussten geschwärzt werden. Dann wurde Reski bei einer Lesung in Erfurt bedrängt. Gestern wurde vor Gericht in München die einstweilige Verfügung eines italienischen Restaurantbesitzers verhandelt: Dem Widerspruch des Verlags wurde nicht stattgegeben, der Gastwirt darf nicht als mutmaßliches 'Ndrangheta-Mitglied genannt werden.
Nach den sechs Morden von Duisburg im August 2007 hatte Reski in Kalabrien und auf Sizilien für ihr Buch "Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern" recherchiert - sie schreibt über italienische Verhältnisse, um das System Mafia - bis hin zu Verflechtungen Berlusconis - verständlich zu machen, doch der Text führt zielsicher nach Deutschland und darüber hinaus, denn Camorra, Cosa Nostra und 'Ndrangheta seien längst ein gesamteuropäisches Problem - auch wenn es kaum jemand wahrhaben wolle, sagt Reski: "Duisburg hat die Deutschen zusammenzucken lassen, aber dass sie jetzt von der Existenz der Mafia im eigenen Land überzeugt wären, das glaube ich nicht. Viele denken, dass ihr Rechtsstaat sie schützt. Und solange es keine weiteren Morde gibt, existiert auch die Mafia nicht." Duisburg wird wohl ein Betriebsunfall bleiben, denn die Mafia zieht es vor, unsichtbar zu sein. Deutschland ist für sie wichtiger Drogenmarkt, aber auch ein Ruheort, an dem sich Geld waschen lässt. Die Verbrecher operieren längst global, während ihre Verfolger an den Grenzen nationaler Gesetze scheitern. Dabei müsste dringend gesamteuropäisch gehandelt werden. Nicola Gratteri, Staatsanwalt in Reggio Calabria, schätzt, dass 300 deutsche Pizzerias von der 'Ndrangheta gesteuert werden. Petra Reski möchte erreichen, "dass in Deutschland erkannt wird, dass die Mafia kein folkloristisches Problem ist, das rückständige italienische Dörfer heimsucht, sondern dass sie bereits nebenan tätig ist". Sie fügt hinzu, dass Polizei und Justiz in Italien in einer verzweifelten Lage seien, weil sich die Rahmenbedingungen des Antimafia-Kampfes durch fragwürdige politische Entscheidungen verschlechtert hätten. "Sie haben sich von Deutschland mehr versprochen. Stattdessen wird hier der große Lauschangriff diskutiert. Die Gefahr kommt aber nicht vom deutschen Staat, sondern von der Mafia." Und ihre eigene Angst? Sie antwortet mit den Worten des 1992 von der Mafia ermordeten Untersuchungsrichters Giovanni Falcone: "Es ist nicht die Frage, ob man Angst hat oder nicht. Sondern die, ob man sich von der Angst bestimmen lässt oder nicht."
Petra Reski, "Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern", Droemer, 336 S., 19,95 Euro.



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