Redensarten: Ich sag mal
So weit die deutsche Zunge reicht
Jetzt wird alles gut: Wenn Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Lettland, Litauen, Malta, Österreich, Polen, Portugal,
Jetzt wird alles gut: Wenn Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Lettland, Litauen, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern ihre jeweilige Landessprache in der Verfassung festschreiben, warum dann nicht wir? Im Artikel 22 des Grundgesetzes soll stehen: "Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch."
Ist sie das? Sperren Sie mal die Ohren auf im Bus, in der S-Bahn oder auf so manchen Straßen: Was da alles geredet wird! Auch Deutsch, sicher. Aber beileibe nicht nur. Oder versuchen Sie mal, mit einem zugewanderten Taxifahrer auf Deutsch zu plaudern.
Ich weiß, es geht bei obigem Vorschlag einiger Politiker nicht um oder gar gegen Migranten. Es geht, jedenfalls dem CDU-Mann Peter Müller, um "ein klares Zeichen für die deutsche Sprache". Aber für welche? Der schwäbische Wengerter (Weinbauer) und der waschechte Berliner sprechen beide Deutsch und verstehen einander doch kaum. Und was sondern die armen Menschen ab, denen ein Reporter sein Mikrofon vor die Nase hält mit der Aufforderung, sofort ihre Meinung (zu was auch immer) zu sagen? Richtiges Deutsch?
Wer soll bestimmen, was richtiges Deutsch ist? Soll sich Herr Steinmeier für Sätze wie "Jenseits von aktuellen Einzelfällen kommen neue Fragestellungen und Spannungsfelder auf den Menschenrechtssschutz zu" künftig vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe verantworten müssen? Die Sprache Goethes, Thomas Manns, Rilkes - wenn es schon um unser "höchstes Kulturgut" gehen soll - klingt verglichen mit solchen Sentenzen wie die Botschaft von einem anderen Planeten.
"Die Wahrheit über die deutsche Sprache ist, dass viele Deutsche schon lange nicht mehr auf Deutsch sagen, geschweige denn schreiben können, was sie sagen oder schreiben wollen", so Thomas Steinfeld in der "Süddeutschen Zeitung". An dieser Wahrheit würde die Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz nicht das Geringste ändern.
Die Politiker haben uns die Rechtschreibreform eingebrockt, das ist schon schlimm genug. Jetzt sollen sie die Sprache in Ruhe lassen! Quatschköpfe erreicht man mit Verfassungsänderungen sowieso nicht. Die denken darüber allenfalls das, was der SPD-Recke Peter Struck mal über seine Kollegen von der Union gesagt hat: "Die können mich mal ..." So weit die deutsche Zunge reicht.



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