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Kultur & Live

Michel: Schubert-Chor mit Brittens "War Requiem"

Vertonte Zeitgeschichte

Für die Aufführung am 9. November, dem "deutschen Schicksalstag", ist kaum ein Musikwerk so prädestiniert wie Benjamin Brittens "War Requiem",

Hamburg. Für die Aufführung am 9. November, dem "deutschen Schicksalstag", ist kaum ein Musikwerk so prädestiniert wie Benjamin Brittens "War Requiem", komponiert zur Wiederweihe der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kathedrale von Coventry. Die Kombination aus Glauben und Zynismus, aus Erlösungshoffnung und Kriegswirklichkeit wirkt verstörend und ergreifend zugleich - zumal, wenn sie mit solcher Intensität zu Gehör gebracht wird wie am Sonntag im nahezu voll besetzten Michel.

Dirigent Michael Petermann hatte für sein Abschiedskonzert nach elfjähriger Tätigkeit seinen Franz-Schubert-Chor und die Berliner Domkantorei samt anhängiger Orchester geeint; über 200 Ausführende verteilten sich raumakustisch reizvoll gruppiert über Altarraum und Emporen. Von sich überschlagenden Klangmassen bis zu samtig summenden Pianissimi reicht das Spektrum, das Petermann (mit Unterstützung des Berliner Kollegen Tobias Brommann) auffächerte. Darüber schwebte der beeindruckend mühelose Sopran Stephanie Petitlaurents, wohingegen sich ihre Solistenkollegen Michael Connaire und Tobias Berndt bei aller Tonschönheit frequenzbedingt schwerer gegen Akustik und Orchester durchsetzten.

Am Ende entstand in der Vereinigung aller Musikergruppen inklusive des Knabenchors hoch oben auf der Orgelempore dem Tod zum Trotz doch die Utopie einer anderen, besseren Welt - ebenso wie im bislang letzten Kapitel der deutschen Geschichte des 9. Novembers.mat

 

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