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Kultur & Live

Die Sprache kann abhängig machen

Hier die hochdeutsche Übersetzung

So viele waren es noch nie: Mehr als 30 Verlage aus ganz Norddeutschland stellen am Wochenende etwa 500 Bücher und CDs aus. Es scheint also, als ob es voran ginge mit dem Plattdeutschen. Andere Zahlen lesen sich anders. Eine Umfrage hat 2007 ergeben, dass die Zahl der Plattdeutschsprecher in den letzten 25 Jahren um die Hälfte zurückgegangen ist. Ja, was denn nun?

In Hamburg kann man wochenlang die Stadt durchstreifen und hört auf den Straßen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln kein einziges Wort Plattdeutsch. Schaltet man aber das Radio ein oder schlägt das Hamburger Abendblatt auf, dann hört und sieht man Platt. Seltsam! Wollen die Menschen möglicherweise umso mehr lesen und hören, je weniger sie die Gelegenheit haben, selbst Platt zu sprechen? Wir wissen es nicht.

Jedenfalls gibt es wieder viel Neues anzusehen und durchzublättern auf der Buchmesse. Auch im vergangenen Jahr sind vermutlich mehr als 150 plattdeutsche Titel erschienen. Aber die Verlage zeigen auch vieles aus ihrem älteren Verlagsprogramm. Und man kann im Lichtwarksaal nicht nur in den Büchern stöbern und darüber reden, man kann sie auch gleich vor Ort erwerben. So hat Hamburg mit der Plattdeutschen Buchmesse seit 10 Jahren jeweils im November einen festen Ankerplatz für plattdeutsche Literatur. Für Besucher ist der Eintritt frei, denn die Carl-Toepfer Stiftung übernimmt die Kosten. So wie sie auch die Niederdeutsche Bibliothek in der Peterstraße trägt, in der man das übrige Jahr kostenfrei lesen und studieren kann.

Zu sehen gibt es auf der Buchmesse selbstverständlich auch das ‘Plattdeutsche Buch des Jahres 2008'. Die Jury hat dafür einen ungewöhnlichen Band ausgewählt: ‘Platt! Wo und wie Plattdeutsch ist’ heißt er. Der Autor Stefan Bargstedt ist eigentlich Designer. Und so ist auch ein Buch entstanden mit zahlreichen Bildern, Grafiken und Tabellen. Man muss es auch nicht von vorn bis hinten durchlesen. Fast wie im Internet kann man darin herumsurfen und findet immer wieder Unerwartetes: Rezepte und Gedichte neben Comics oder sprachwissenschaftlichen Anmerkungen und grammatischen Erläuterungen.

Manche Menschen sagen, das Lesen plattdeutscher Texte falle ihnen schwer. Aber zuhören würden sie gern, darum sind die Säle auch ausverkauft, wenn etwa Ina Müller, Reimer Bull oder Gerd Spiekermann lesen oder vortragen. Auch für solche Freunde des Plattdeutschen hält die Buchmesse in diesem Jahr etwas bereit. Eine Sonderausstellung zeigt plattdeutsche Hörbücher der letzten zehn Jahre. Dabei ist auffällig, dass stetig mehr längere Texte in dieser Form präsentiert werden. Das sind dann z.B. Werke von Fritz Reuter oder Diedrich Bellmann, bei denen das Hörvergnügen eben nicht schon nach zwei, drei Minuten mit einer Schlusspointe beendet wird.

Aber aus das Live-Hörerlebnis kommt auf der Buchmesse wie schon in den Vorjahren nicht zu kurz. Zu jeder vollen Stunde lesen Autoren oder werden neue CDs vorgestellt. Darunter sind viele in Hamburg gut bekannte Autoren wie Hermann Bärthel, Wolfgang Sieg oder Christa Heise-Batt, aber auch Newcomer wie Dietrich Staaken (Garding), die ihr erstes plattdeutsches Werk vorlegen.

Und für Menschen, die Plattdeutsch noch erst lernen wollen, gibt es eine Novität: Einen Sprachkurs für den Computer. Darin geht es um mehr als bloßes Hören und Nachsprechen. Einheiten, bei denen Buchstaben zugeordnet werden müssen, kleine eigene Schreibübungen oder etwa ein Bild-Ton-Memory-Spiel werten den Kurs auf.

Besucher der Buchmesse sollten also Zeit mitbringen. Die Gefahr des Festlesens oder -plauderns ist nämlich groß. Also Achtung: Plattdeutsche Bücher können abhängig machen!

  • Die Plattdeutsche Buchmesse ist geöffnet am Sonnabend, den 8. und Sonntag, den 9. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr im Lichtwarksaal, Neanderstr. 22.

 

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