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Kultur & Live

Doku-Serie "Durch die Nacht…" (Do, 6.11., 23.35 Uhr, arte)

Plauder, plauder statt "Hyper, Hyper"

Der eine ist Rufer in der Großraumdisco, der andere Chronist seiner tragikomischen Vergangenheit. Eigentlich sollte das Kontrast genug sein für eine spannende TV-Stunde. Doch wenn Techno-Barde H.P. Baxxter (Scooter) und Humorist Heinz Strunk („Fleisch ist mein Gemüse“) gemeinsam durch ihre Heimatstadt Hamburg fahren, verstehen sie sich fast schon zu gut.

Techno trifft auf Tragikomik, "Hyper Hyper" auf "Fleisch ist mein Gemüse", blondierter Bürstenschnitt auf gestyltes Grau, Augenbrauen-Piercing auf Retro-Sonnenbrille. Auf den ersten Blick scheint dieses Hamburger Duo ein Garant für amüsante Kontraste zu sein: H. P. Baxxter, Frontmann der Erfolgsformation Scooter, trifft auf Heinz Strunk, der erst seine triste Jugend als Volksfest-Mucker zum Bestseller hoch schrieb und nun auch sein Folgeleben als Gagschreiber zum Roman verarbeitet hat ("Die Zunge Europas"). Massenbespaßer sind sie also beide, nur der eine aus Großraumdisco-, der andere eher aus Kriechkeller-Perspektive. arte schickte den Brachial-Sänger und den Anarcho-Autor "Durch die Nacht…" in ihrer Heimatstadt.

Die Tour startet im Ottenser Scooter-Studio, wo Querflötist Strunk zu nervösen Techno-Beats improvisiert. Ein Höhepunkt und das, bevor die TV-Stunde überhaupt Fahrt aufgenommen hat. Nach einem Ausflug in Baxxters Jaguar folgt ein Besuch bei seinem Ausstatter "Pyrate Style" in der City, auf ein Wirtshaus-Essen ein Abstecher ins Schauspielhaus. An der Kirchenallee läuft gerade die Theaterversion des Romans "Dorfpunks", den Strunks Weggefährte Rocko Schamoni geschrieben hat und bei dem "der Heinzer" mit Regie führt. In jeder Vorstellung sorgt ein Videoeinspieler mit Baxxter als Musikproduzent für mächtig Lacher.

Unterwegs kreisen die Gespräche um Klubbesuche und "seriöses Leben", um Werdegang und Ehe (Strunk erwägt gerade seine Hochzeit, Baxxter ist zum zweiten Mal verheiratet) sowie um "kreative Verrisse" und Erfolg, den beide erst hatten, als sie nicht mehr damit rechneten.

Während die Unterhaltung wohlwollend kumpelhaft dahinplätschert, drängt sich der Eindruck auf: Hier verstehen sich zwei fast zu gut. Andererseits amüsieren sie sich aber nicht so köstlich, als dass der Abend richtig in Schwung käme. Liegt vielleicht auch am Wochentag. Denn der Golden-Pudel-Klub am Fischmarkt, ebenfalls Strunks Terrain, den die Limousine zum Schluss ansteuert, ist fast leer.

Als Baxxter und Strunk in der Subkultur-Institution am Bretter-Tresen stehen, treffen ihre Welten gefühlt am heftigsten aufeinander. "Sind hier die Hafenstraßenjungs?", fragt der Techno-Barde. "Nee, die sind einen weiter oben", antwortet der Humorist. Baxxter erzählt vom East-Klub, von "Champagner, House-Musik und schönen Mädchen". "Das Michael-Ammer-Programm", kommentiert Strunk.

Am Ende blicken sie auf den leuchtenden Hafen und reden über ihre verlorene Jugend. Das ist nicht zwingend spannend. Aber dann doch schön.

 

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