Wenn Dieter Läpple einen Vortrag "Über Leuchttürme, Irrlichter und Metropolen" ankündigt, dann ist vorhersehbar, dass es für Hamburg düster...

Hamburg. Wenn Dieter Läpple einen Vortrag "Über Leuchttürme, Irrlichter und Metropolen" ankündigt, dann ist vorhersehbar, dass es für Hamburg düster aussieht. Der 2007 emeritierte Professor für Stadt- und Regionalökonomie an der HafenCity-Universität ist ein unermüdlicher Mahner, was die Zukunftsperspektiven seiner Wahlheimat anbelangt. Das klingt zwar oft nach polemischer Überzeichnung, beunruhigt aber, weil alle Thesen fundiert begründet und statistisch belegt werden.

Als Gast des 25. Hamburger Architektur Clubs im "Spiegel"-Kasino spitzte Läpple das Problem aus gegebenem Anlass noch zu, indem er bemerkte, zurzeit gehe es eher um wankende Bankentürme. Läpples Exkurs in die US-Staatsverschuldung, in Chinas Handelsbilanzüberschüsse und Turbo-Urbanisierung sowie das Wirken der Zauberlehrlinge im Investmentbanking mündete in die Frage, wie sich Metropolen auf Turbulenzen in der Weltwirtschaft vorbereiten könnten. Die Antwort lautet: als "resilient cities", also durch Flexibilität. Voraussetzung dafür, so Läpple, seien ein hoher Ausbildungsstand der Bevölkerung, die Nutzung von Einwanderpotenzialen sowie eine möglichst geringe Abhängigkeit vom Erdöl.

Womit Läpple beim alten Thema war: Hamburgs Fixierung auf den Primat des Hafens, dessen existenzielle Bedeutung ein Mythos sei, mitverantwortlich für die zu späte Hochschulgründung. Bei der Exzellenzinitiative 2006 habe man erlebt, wie Hamburg vom Süden abgehängt worden sei. Statt der Investition in Bildung werde hier der maximale Containerumschlag propagiert, was die Stadt dramatisch verändern würde - die Wertschöpfung des Warenverkehrs finde ohnehin fern der Häfen statt. Und die Abhängigkeit habe man zur Zeit der Olympischen Spiele beobachten können, als die Volkrepublik ihre Produktion drosselte: China hüstelte, Hamburg fühlte sich krank. Läpples Appell: Das notwendige Umdenken ist nicht Sache eines Senats, sondern Aufgabe einer aufgeklärten Stadtgesellschaft.wend