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Trends? Moden? Im Kriminalroman ist die Vielfalt das beste Programm

Moden in der populären Musik sind meist recht kurzlebig, der Markt definiert sich über seine eigene Bewegung. Moden in der populären Literatur,

Hamburg. Moden in der populären Musik sind meist recht kurzlebig, der Markt definiert sich über seine eigene Bewegung. Moden in der populären Literatur, speziell in der Gattung des Kriminalromans, sind deutlich langlebiger. Natürlich ist das mit den Moden so eine Sache: Bei rund 700 kriminalistischen Neuerscheinungen im Jahr (von denen etwa 400 aus den Federn deutschsprachiger Autoren stammen) zeigt sich nicht jeder möglicher Trend gleich als neue Lichtgestalt.

Eine erfreuliche neuere Entwicklung lässt sich allerdings aus dem Schwarm der Publikationen herausfiltern: Der deutschsprachige Kriminalroman hat in jüngerer Zeit außerordentlich an Qualität gewonnen - Autoren wie der in Stuttgart lebende Heinrich Steinfest, der Münchner Friedrich Ani, der Wiener Stefan Slupetzky, Ulrich Ritzel aus Ulm oder Autorinnen wie Astrid Paprotta und Andrea Maria Schenkel, um nur einige zu nennen, haben dem Genre starke inhaltliche wie formale Impulse gegeben. So braucht sich deutsche Spannungsliteratur nicht mehr zu verstecken hinter den einst übermächtigen Vorbildern aus dem angelsächsischen Sprachraum und aus Skandinavien.

Was in Deutschland noch immer boomt, und das seit Ende der 80er-Jahre (so viel zum Thema Langlebigkeit), sind Kriminalromane mit starkem lokalen Bezug, sogenannte Regionalkrimis. Der Auflagenkönig innerhalb dieses Segments ist der Journalist Michael Preute, der unter dem Pseudonym Jacques Berndorf seine "Eifel-Krimis" bislang knapp fünf Millionen Mal unters Lesevolk gebracht hat.

Diese neue Form des deutschen Heimatromans hat eine nicht überschaubare Welle von Veröffentlichungen ausgelöst - es gibt Verlage wie den Kölner Emons-Verlag, die sich nahezu ausschließlich auf diese Sparte des Kriminalromans spezialisiert haben. Dabei geht es in den Reihentiteln hinab bis in kleinste lokale Verästelungen: Da gibt es dann den "Niederrhein-Krimi", den "Bodensee-Krimi", den "Rheingau-Krimi" bis zum "Hinterm-Deich-Krimi". Fehlt lediglich noch der "Vor-der-Haustür-Krimi" ... Da treibt der Kriminalroman dann skurrile Blüten. Rund ein Viertel des Umsatzes in der "Warengruppe Belletristik" macht nach Erhebungen des Börsenvereins der Deutschen Buchhandels der Kriminalroman aus. Dieser Wert ist seit einigen Jahren relativ konstant. Zum Vergleich: In den skandinavischen Ländern liegt der Umsatzanteil bei exorbitant hohen rund 60 Prozent. "Kommt man in Stockholm in eine Buchhandlung", erzählte einmal Maj Sjöwall, die mit ihrem Mann Per Wahlöö in den 70er-Jahren die überaus erfolgreichen Martin-Beck-Romane geschrieben hat, "sieht man erst einmal nichts anderes als Kriminalromane."

Nun ist Masse nicht gleich Qualität. Gleichwohl konnte man sich lange Zeit des Eindrucks kaum erwehren, dass wer in Schweden oder Norwegen halbwegs unfallfrei einen Griffel halten auch einen Kriminalroman schreiben konnte. Die Flut der Veröffentlichungen in Deutschland ließ jedenfalls kaum einen anderen Schluss zu. Und sie verkaufen sich nach wie vor rasant, die Skandinavier, mögen sie nun Henning Mankell, Anne Holt, Håkan Nesser, Liza Marklund oder Åke Edwardson heißen.

Ungebrochen im Trend liegen auch die historischen Kriminalromane. Im Fahrwasser von Umberto Ecos "Der Name der Rose" schippern sie regelmäßig in Richtung Bestseller - seien es die deutschen Autoren Rebecca Gable und Nicolas Remin oder das italienische Autorenduo Rita Monaldi und Francesco Sorti. History sells.

Sind in der allgemeinen Belletristik der Familienroman und der Gesellschaftsroman momentan stark im Kommen, so lässt sich im Kriminalroman der aktuelle Trend nicht ausmachen - was eine Stärke des Genres ist, spricht es doch für die Vielfalt der Inhalte und Formen. Und Gesellschaftsroman ist ein guter Kriminalroman allemal, denn nur auf einer wie auch immer gearteten realistischen Grundlage können Charaktere, Plot und Spannung gedeihen. Wie es der große Eric Ambler ("Topkapi") sagte: "Spannung ist das Lebenselement aller guten Literatur."

Gefragt sind auch nach wie vor clever inszenierte Mainstream-Thriller US-amerikanischer Provenienz. Die Mehr-ist-immer-besser-Bücher: mehr Gewalt, mehr Action, mehr Gemeinheit. Deutsche Verlage zahlen horrende Lizenzgebühren für diese Titel, bevor sie dann in Bahnhofsbuchhandlungen gestapelt werden. Beliebtes Thema: Die Natur schlägt zurück - etwa in Form von fleischfressenden Pflanzen, die Touristen im Dschungel heimsuchen ...

Diese Thriller sind fast schlimmer als die Finanzkrise. Ein Trend? Hoffentlich nicht.



Ihre Meinung ist gefragt: Nennen Sie uns bis zum 9.11. Ihren spannendsten Krimi unter


www.abendblatt.de/lieblingskrimi

 

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