Kultur kontrovers: Diskussion mit prominenten Gästen über "Die Zukunft der Musikstadt Hamburg"
"Weil das Problem so komplex ist, sind alle überfordert"
Im NDR-Radiohaus ging es um die Krise der Elbphilharmonie und die Defizite des momentanen Musikangebots. Konkrete Antworten hatten Seltenheitswert.
Hamburg. Klingende Metropole oder dissonante Seifenblase, das waren die Vorschläge, mit denen gestern im NDR-Radiohaus eine prominent besetzte Diskussionsrunde zum Thema Musikstadt startete. Das Hoffen auf Konkretes und Konstruktives zur Identitäts-, Termin- und Finanzkrise der Elbphilharmonie war vergeblich, man wurde mit aufgewärmter Luft abgespeist und, wieder einmal, hungrig zu Bett geschickt. Es blieb der Eindruck klaffender Ratlosigkeit an entscheidenden Stellen. Klare Antworten hatten Seltenheitswert.
Kultursenatorin Karin von Welck druckste so lange um Gretchenfragen wie die nach Baukosten und Eröffnung der Elbphilharmonie herum, bis sie ein Termin mit dem Bundespräsidenten vom Nichtssagen erlöste. Generalintendant Christoph Lieben-Seutter, als "talking head" aus London zugeschaltet, sagte Beachtliches: Er habe momentan keine Planung für die Elbphilharmonie. Die Kommunikation zum Projekt lasse zu wünschen übrig. Weil es so komplex sei, seien alle Beteiligten überfordert (dieser Satz kam nur Minuten, nachdem von Welck verkündet hatte, sie sei hundertprozentig verantwortlich). Wer bis zu solchen Eröffnungen noch keine tiefen Sorgenfalten auf der Stirn hatte, bekam sie spätestens nun. Unter anderem von Abendblatt-Kulturchef Hans-Juergen Fink darauf angesprochen, welche einzigartigen Künstler in den Jahren bis zur Eröffnung des neuen Konzerthauses denn kämen, um die Angebotspalette zu erweitern und neues Publikum zu generieren, kam lediglich ein "Lassen Sie sich überraschen" über den Ärmelkanal. Rolf Beck (NDR-Sinfonieorchester/SHMF) forderte von der traditionsreichen Musikstadt Hamburg, man müsse jetzt schon zeigen, was man habe. Simone Young hielt die Philharmoniker-Fahne hoch. "Pro Arte"-Urgestein Hans-Werner Funke legte sich mit dem Generalintendanten beim Streit über zukünftige Star-Auftritte auch über die Frage an, wo denn die neuen Einfälle seien, für die man Lieben-Seutter aus Wien nach Hamburg geholt habe. Und als am Ende die Frage kam, wieso man nicht endlich einen runden Tisch zusammenrufe, und Lieben-Seutter Befindlichkeiten beklagte, die bei den anderen nicht so recht konstruktiv seien, wurde er prompt durch einen "Wir würden ja gern und sofort ..."-Chor aller anwesenden Kandidaten vorgeführt. Ein Abend, der zu denken gibt.
Radio: "NDR Kultur kontrovers", 26.10., 20 Uhr.















